Kapitel 105 (Buch 4, 8)

EIN HEXER VOR DEM BETT

Anna hatte nicht lange geschlafen, nachdem sich die beiden Magierinnen, Mei und Aneta, im Lazarett um sie gekümmert hatten. Man hatte ihr den Dreck vom Körper gewaschen und ihr die Schnitte und die feinen Einstiche an den Armen geheilt. Die Monsterjägerin hatte geschrien, als man ihr die linke, durchstochene Hand hatte versorgen wollen und die nilfgaarder Zauberin im Bunde hatte es nicht geschafft jene magisch zu verschließen. Auch hatte sie eine Narbe in kryptischer Form gefunden, die sich ausgehend von Anna’s linkem Schlüsselbein einige Zentimeter an deren heller Haut hinab zog. Anna hatte nicht nachgefragt, denn sie hatte größere Sorgen, als irgendeinen Schnitt an der Brust, der sich genauso wenig behandeln ließ, wie ihre Hand. Man hatte der rau Hustenden frische Kleidung gegeben und sie hatte irgendwann versucht etwas Suppe zu essen, doch das wenig erfolgreich. Anna hatte sich fürchterlich übergeben müssen und später einen leichten Krampfanfall erfahren, bei dem sie sich so fest auf die Zunge gebissen hatte, dass es jetzt noch wehtat. Doch sonst… ging es mittlerweile. Irgendwie. Die Vagabundin fühlte sich matt und ihr war schlecht. Ihre Linke brannte wie Feuer und die Narbe unter ihrem Ausschnitt juckte unangenehm. Sie war müde, doch konnte nicht schlafen. Und vor allem… vermisste sie Rist. Sie wollte ihn bei sich haben, gerade JETZT, und glaubte nicht, was Vadim ihr vor wenigen Momenten erzählt hatte. Verwirrt sah sie dem Hexer gerade entgegen, der vorgegeben hatte, Anna habe heute und hier, in der Schule der Greifen, einen mächtigen Dämon beschworen. Das in der törichten Hoffnung dafür zur Hexerin gemacht zu werden. Welche ein gequirlter Scheißdreck. Sie wollte das nicht glauben. Genauso wenig, wie sie es fassen konnte, dass sie Hjaldrist hintergangen haben sollte. Vadim - der angeblich hier war, um den Greifen zu helfen und nicht, um seine vermisste Ziehnichte zurück nach Kaer Morhen zu bringen - hatte Anna das so vorsichtig beigebracht, wie nur möglich. Und nun saß sie hier, eingewickelt in zwei dicke Wolldecken und auf dem Bett, in dem sie, den Worten des Vatt'ghern zufolge, auch schon in den letzten paar Tagen geschlafen hatte. Sie starrte den ernsten Hexer auf der Bettkante aus glasigen Augen an. Das Zimmer, in dem sie sich befanden, war klein und spartanisch. An einer Garderobe hing Anna’s roter Umhang und in einer Ecke lag ihr Rucksack mit all ihren Sachen. Nur… ihre Waffen waren weg. Der brutale Mann, der sie entführt hatte, musste sie ihr abgenommen haben. Genauso, wie ihre Rüstungsteile auch. Geblieben war der Abenteurerin von ihren Sachen also nur verdrecktes Stoffzeug. Nicht einmal ihr Gürtel mit den zwei ledernen Täschchen daran war mehr da.

“Ich weiß nicht, was mit dir los war, Anna… du warst so fremd und ich kam nicht an dich heran, weil du mich nicht ließest.”, murmelte Vadim “Keiner konnte dich aufhalten. Ich schlug vor, dass du zurück nach Undvik gehst und gab dir sogar Geld für eine Überfahrt. Ich wollte, dass du dich mir anvertraust, denn ich machte mir Sorgen. Doch du hast mich belogen. Das nur, damit du eine Kräuterprobe für dich bekommst. Es war der reinste Wahnsinn.”

Anna zog die Brauen zusammen und wischte sich flüchtig über den Augenwinkel. Eine kleine Krokodilsträne hatte noch darin geglitzert, denn sie fühlte sich so schlecht und das nicht nur körperlich. Sie verstand all das hier nicht. Wie hatte sie vergessen können, was sie getan hatte? Sie… sie und Rist waren gerade noch zusammen unterwegs gewesen. Vor Vizima hatten sie ein Werschwein getötet. Und dann… und dann-… da war der leise summende Mann im Labor gewesen. Er hatte Anna eingesperrt und… mehr wusste sie nicht. Doch sie fühlte sich absolut elend, wenn sie versuchte sich zu erinnern. Überfordert schlug sie die Lider nieder und kuschelte sich eng in ihre Decken. Seufzen musste sie. Anna hatte solch ein übles Gewissen und es fühlte sich eigenartig an einzig auf die Worte anderer bauen zu müssen, weil man seine Erinnerung verloren hatte.

“Es tut mir leid, Vadim…”, sagte sie mit gesenkter Stimme. Doch zählte das überhaupt?

“Ich weiß nicht, was ich zu… zu alledem sagen soll…”, gab sie kleinlaut zu und öffnete die schmerzenden Augen wieder einen Deut. Oh, das hier war die größte Misere ihres Lebens. Und sie war selbst schuld daran. Anna hatte sich und dabei auch andere Leute in eine fatale Katastrophe hineingeritten und warum? Weil sie von ihrem Lebenstraum verblendet gewesen war. Und sie hatte ihren besten Kumpel verlassen, verdammt nochmal! Was war bloß mit ihr los gewesen?

“Nun…”, antwortete der Hexer auf der harten Bettkante seufzend “Immerhin waren deine irrsinnigen Bemühungen nicht umsonst, schätze ich…”, da war ein sehr hintergründiger Unterton in der brummigen Stimme des Wolfes, den die burschikose Frau, die in einem Hemd von Mei und einer frischen Leinenhose von Lado steckte, nicht nachvollziehen konnte. Schwach sah sie auf, während sie eingehend taxiert wurde. Sie mochte es nicht, wie der Mutant sie taxierte.

“Was meinst du damit…?”, fragte sie verunsichert und sah Vadim innehalten. Er wich ihrem Blick plötzlich aus.

“Ach”, machte er “Vergiss es… reden wir morgen darüber, ja?”

Anna nickte schwach. Sie hätte heute so und so nicht mehr den Kopf für weitere Erklärungen über sich und die momentane Situation. Das, was man ihr bisher erzählt hatte, überforderte sie schon.

“Vadim…?”, fragte sie nach einer kurzen Denkpause, die ihr beachtlich unangenehm war.

“Ja?”

“Schläfst du heute hier...?”

Anna lugte vorsichtig zu dem Krieger mit dem einen blinden, weißlichen Auge hin. Sie verkniff sich ein betretenes Seufzen und versuchte dabei nicht zu verlegen auszusehen. Es war ihr sehr peinlich den blonden Hexer zu fragen, ob er heute Nacht bliebe. Doch noch größer als das schlimme Gefühl sich wie ein weinerliches Kind aufzuführen und sich eine Blöße zu geben, war ihre Angst. Jene schien unter ihrem Bett zu lauern, wie ein wildes Tier. Ja, Anna fürchtete sich vor der Nacht. Sie hatte eine regelrechte Panik davor nun alleingelassen zu werden. Denn was, wenn es ihr in den nächsten Stunden wieder schlechter ginge? Was, wenn man sie wieder entführen würde? Und was, wenn sie plagende Gedanken ereilten, mit denen sie nicht zurechtkäme? Anna wollte nicht allein sein. Nicht heute. Und es erleichterte die ungemein, als sie auf Vadim's chronisch griesgrämigen Gesicht einen Anflug eines kleinen Lächelns sah.

“Ich bleibe…”, versicherte er gutmütig. Und dieses Versprechen hielt der Temerier auch. Oft wachte Anna in den kommenden Stunden auf und ein jedes Mal sah sie dabei mit Erleichterung im Blick, wie Vadim vor ihrem Bett kniete und meditierte. Mit gesenktem Haupt und ineinander gefalteten Händen tat er das ganz gewohnt. Und hätte ein jeder bei dem Anblick dieses narbengesichtigen Mutanten, der des nächtens vor einem saß, besser die Flucht ergriffen, so rutschte die verlorene Novigraderin enger an die Bettkante um ihrem schwer bewaffneten Hexeronkel näher zu sein.

 

Der Zustand Annas wurde nicht besser. Als sie am kommenden Morgen beim Frühstück saß, fühlte sie sich todkrank und abgeschlagen. Ein blutiger Husten plagte sie seit dem Aufwachen und immer wieder hatte sie Mühe damit ihren unsteten Blick zu fokussieren. Lado saß ihr gegenüber und betrachtete sie seit einer Weile richtig besorgt. Auch Vadim war nicht weit. Er stand soeben bei dem grauhaarigen Greifenhexer in der dunkelblau-braunen Montur, den Anna nicht kannte. Die beiden Männer unterhielten sich leise miteinander und die zerknautschte Vagabundin, die gerade erst aus dem Bett gekrochen war, maß dem mich viel bei. Sie hatte genug mit ihrem rebellierenden Körper zu tun. Ihre Hände zitterten stark und waren kalt, obwohl es ihr unglaublich heiß war. Anna fieberte. Und mehr als zwei Bissen gezuckerten Haferbreis bekam sie nicht hinunter. Ihr grummelnder Magen beschwerte sich und leise stöhnend legte die Frau ihren Löffel fort. Oh Götter… sie konnte kaum noch. Sie wollte zurück ins Bett. Zusammen mit einem Kotzeimer und irgendeiner Begleitung die ihr lustige Dinge erzählte, um sie abzulenken. So, wie der Käferschubser das immer getan hatte.

“Geht es…?”, fragte der Vipernhexer am Tisch nach und Anna hob den schweren Kopf leicht, um zu ihm zu sehen. Für jemanden seiner Zunft schien Lado echt nett zu sein. Angeblich kannten sie beide sich schon länger. Leicht abwesend rieb sich die Frau die unangenehm ziehende, linke Hand, die in einem dicken Verband steckte.

“Mh…”, brummte die ermattete Alchemistin auf das Nachfragen bezüglich ihres Zustandes zweiflerisch. Sie hatte bisher noch nicht in den Spiegel gesehen, doch die Blicke von Lado sprachen Bände. Oh, Anna musste genauso aussehen, wie sie sich fühlte: Beschissen. Noch nie in ihrem 23-jährigen… nein, angeblich 25-jährigen Leben war es ihr so schlecht ergangen. Heiser hustete die Schwarzhaarige und hielt sich dabei die unversehrte Hand vor den Mund. Als sie die Finger daraufhin beklommen betrachtete, sah sie Blut. Schon wieder. Sie biss sich unwohl auf die Lippe und wischte sich die Hand flüchtig an der Hose ab. Ach, immerhin hatte Aneta ihre kaputten Rippen geflickt. Wäre dem nicht so, hätte die Keuchende wirklich ein großes Problem gehabt. Sie wollte gar nicht erst wissen, wie sich ein verletzter Brustkorb in Kombination mit rebellierenden Lungen anfühlte. Und dass Vadim ihr die Knochen zuvor gebrochen hatte, weil er Anna wiederbeleben hatte müssen, wollte sie so und so vergessen. Es war ein schauerlicher Gedanke.

“Hier…”, machte der Hexer mit der Glatze und schob der jüngeren Frau über den Tisch etwas zu. Fragend senkte sie den Blick darauf. Es war ein Trankfläschchen mit einer roten Flüssigkeit darin.

“Trink das.”, lächelte die Viper zuvorkommend.

“Was ist das…?”, fragte Anna lasch nach. Zwar traute sie Lado, denn er war offenbar ein Freund von Vadim und nebenher sehr umgänglich, doch sie hatte auch gelernt keine Tränke von anderen Leuten anzunehmen, wenn sie nicht genau wusste, worum es sich dabei handelte. War sie gerade übervorsichtig?

“Das… hilft gegen deinen Husten und die Schmerzen.”, erklärte der Mutant nett “Dir geht es schlecht, das würde ein Blinder bemerken. Meine Mittelchen bringen hoffentlich etwas.”

Lado hatte Recht. Anna fühlte sich hundeelend und ihre Brust und ihr Hals schmerzten fürchterlich. Der Bluthusten machte ihr eine Heidenangst, die sie zu verdrängen versuchte. Also fasste sie hoffnungsvoll nach dem Absurd, den die Schlange ihr anbot. Mit fahrigen Fingern entkorkte sie die Medizin. Und dann trank sie jene. Der Vatt'ghern ihr gegenüber nahm solange nicht die unmenschlichen Augen von ihr. Und als Anna das leere Phiölchen wieder von ihren blassen Lippen absetzte, beugte er sich plötzlich nervös starrend vor. Anna wollte fragen, was los sei, doch schaffte dies nicht mehr. Denn der scharfe Trank rann ihr die Kehle hinab, wie flüssiges Feuer. Es brannte so sehr, dass es ihr den Atem raubte und sie sich an die breite Tischkante krallen musste. Ein erstickter Schmerzenslaut entrang sich ihrem engen Hals unkontrolliert und sie krümmte sich unruhig atmend. Anna würgte leise und presste sich die Hand an den Magen, in dem Säure zu explodieren schien. Die Frau jammerte laut auf und ihre geweiteten Augen waren von der ziehenden Pein ganz nass geworden. Ihr wurde es warm, dann eiskalt. Noch einmal würgte sie, doch schaffte es nicht zu kotzen. Ihr kümmerliches Frühstück blieb also, wo es hingehörte.

“Lado!”, konnte sie Vadim ganz dumpf vernehmen “Was tust du? Was hast du ihr gegeben?”

Die Viper antwortete sofort, doch Anna vernahm dies so entfernt, dass sie die Worte nicht verstand. Sie hörte das eigene Blut in den Ohren rauschen. Kurz wurde es ihr unwahrscheinlich schwindelig, während die Hexer hitzig miteinander diskutierten. Und dann verflüchtige sich die Pein ihrer Magengrube allmählich wieder. Ihr Kreislauf stabilisierte sich und das plötzliche Schwindelgefühl war fort. Schwer atmete die Trankmischerin, keuchte leise und fasste sich entsetzt an die Kehle. Zittrig atmete sie ein.

“Spinnst du?”, hörte sie Vadim schimpfen und es klang nicht länger so, als stünde er in einem Nebenraum. Alles ringsumher normalisierte sich wieder.

“Komm schon, Vadim. Sieh doch. Es geht ihr gut.”, besänftige Lado und nickte vielsagend gen Anna. Jene rang noch immer nach Atem und sah aus gläsernen Augen auf.

“Was… was war das?”, stöhnte sie “Was-”

“Schwalbe.”, grinste die Viper breit “Eins zu Eins mit Wasser verdünnt, aber…”

Verwirrt sah die Schwarzhaarige zwischen den beiden Mutanten bei sich hin und her. Ihr Mundwinkel zuckte zur Seite und ihr Hals… tat nicht länger weh. Stattdessen wurde sie ein wenig nervös und fühlte sich merklich wacher.

“Wie?”, fragte sie entrückt “Das kann nicht sein. Ver-verarsch mich nicht, du Idiot.”

“Anna. Hast du seit gestern schon einmal in den Spiegel gesehen?”, fragte Lado im Gegenzug und dieses seltsame Nachhaken erschien so aus dem Kontext gerissen. Anna holte gerade Luft für eine wirre Verneinung, da brach auf einmal ein lautes Tamtam aus. Die bleiche Frau und die beiden Hexer hielten inne und sahen sofort auf.

“Wo ist die Paktiererin?”, rief wer und man sah den alten, grauen Greifen, der soeben auch etwas essen hatte wollen, wieder aufspringen. Durch die große Flügeltür des Speisesaales brach ein wütender Mob aus zwei Zwergen, einem zornigen Elfen und sechs gerüsteten Mietklingen herein. Und sie sahen aus, als seien sie auf der Monsterjagd.

“Valerian! Wo ist sie?”, grollte einer der Zwerge verärgert und hielt den Kriegshammer entschlossenen Blickes fest.

“Wegen ihr musste ich einen Pakt mit einem Dämon eingehen!”, schimpfte der braunhaarige Elf ganz außer sich. Er hatte seine Waffen gezogen und sah ziemlich kampfeslustig aus. Unnatürlich blass war er und seine Augen dunkel unterlaufen.

“Ruhig!”, erhob der alte Greif, der offenbar Valerian hieß, die Stimme “Bei Melitele! Beruhigt euch doch!”

Anna starrte und eine ganz böse Befürchtung beschlich sie. Vadim hatte ihr gestern Nacht doch erzählt, dass sie ein finsteres Wesen beschworen hätte. Sie war also die Paktiererin, die man suchte. Hilfesuchend sah sie zu dem Wolf auf, der sich schützend vor sie stellte. Auch Lado erhob sich unruhig.

“Wir wollen, dass über sie gerichtet wird! So wäre es rechtens!”, brüllte wer und seine mürrischen Kumpane grölten Zuspruch “Dreckigen Paktierern gilt der Strick! Oder hat sich an den hiesigen Gesetzen etwas geändert, Valerian? Gelten sie hier, in deiner Zunft, plötzlich nicht mehr?”

“Nein. Nein, das stimmt…”, antwortete der Konfrontierte und erhob die behandschuhten Hände abwehrend “Aber hört mir zu, liebe Leute…”

“Was denn?”, schrie ein Söldner wütend “Was soll es da noch zu verhandeln geben? Sterben soll sie, die Besessene!”

“Dort! Da ist das verlogene Weibsstück!”

“Ja, kommt, wir stechen die Paktiererin ab, wenn die Greifen sie schon nicht hinrichten wollen!”

“Ich schlage ihr den Schädel ein!”

“Nein!”, wand Valerian bestimmend ein und kam zwischen die krakeelende Meute und Anna, der keinerlei Fluchtmöglichkeit blieb. Er streckte die Arme schützend aus, als er in den Gang zwischen den Esstischen trat, der von der Eingangspforte direkt zu der Novigraderin und ihren beiden Vatt’ghern-Freunden führte. Vadim zog sein Stahlschwert. Das war nicht gut. Ganz und gar nicht gut.

“Die erinnert sich an nichts! Wollt ihr SO auf die losgehen?”, blaffte der graue Greif und Anna machte sich hinter Vadim ganz klein “Seid ihr dermaßen barbarisch? Also bitte! Ihr verhält euch gerade nicht besser, als die Redanier!”

“Ist uns egal! Sie hat paktiert!”

“Jawohl! Bestimmt sitzt der Dämon hinter ihren Augen und beobachtet uns!”

“Genau! Sie hat das Böse in sich! So ist das mit Dämonenfreunden und Schwarzmagiern!”

“Töten wir sie und damit ist Ruhe!”

Anna, die es momentan nicht einmal schaffte zu lange zu stehen, geschweige zu kämpfen, hielt sich weiterhin eng hinter ihrem Ziehonkel und war unglaublich aufgebracht. Gerade, da war sie so abhängig von den Hexern, dass sie es kaum glaubte, wie sehr. Wäre Valerian gerade nicht, wären die grantigen Leute, die sie lynchen wollten, schon bei ihr, um sie buchstäblich einen Kopf kürzer zu machen. Anna verkniff sich ein Husten und biss die Zähne gequält aufeinander, als sie süßlich-metallenes Blut schmeckte. Sie stand schwerfällig und stützte sich auf die Tischplatte bei sich. Die schwarzen Augen nahm sie nicht von der Bedrohung weiter vorne und sah an Vadim und Lado vorbei zu den wütenden Leuten. Was sollte sie nur machen?

“Weg da, Greif!”, forderte einer der Zwerge herrisch.

“Lass uns vorbei, Valerian! Oder bist du nun etwa ein Unterstützer von Dämonenbeschwörern?”, machte der andere.

“Ich bürge für sie!”, rief Vadim plötzlich in das Tamtam hinein “Ich bürge für alles, was Arianna in Kaer Iwahell getan hat! Ihre Schuld ist meine!”

Stille tat sich auf dies hin abrupt im Gewölbe auf und Anna weitete die Augen perplex. Ihr Blick wanderte fassungslos zu ihrem Ziehonkel. Was… was tat dieser Narr da nur? Er konnte doch nicht-

“Ich auch!”, mischte sich jetzt auch noch Lado ein und trat selbstbewusst vor “Sie kommt mit uns nach Siofra und ich lasse sie bei mir wohnen, bis wir uns sicher sind, dass sie von keiner finsteren Macht mehr gelenkt wird! Wir sind Hexer. Genau das ist unser Gebiet. Und glaubt uns, wenn wir sagen, wir kennen uns mit Dämonologie aus.”

“Was?”, schnarrte der zornige Elf mit den zwei Schwertern, doch der Rest der grimmigen Gruppe wurde zögerlicher. Einer der bärtigen Zwerge schnaubte verächtlich.

“Pah.”, machte er “Und du glaubst, das reicht, Hexling?”

“Ich werde den Dämon töten.”, entkam es Vadim und Anna sah, wie er die Hände zu Fäusten ballte “Sollte er in den nächsten Tagen wieder hier auftauchen, dann erschlage ich ihn.”

“Du? Einen Dämon töten?”, lachte der Zwerg mit der Zweihandwaffe “Pah! Das will ich sehen!”

“Ich auch!”, grinste einer der Söldner amüsiert und ließ sein Schwert sinken.

“Gut. Dann soll es so sein.”, kam Valerian erneut dazwischen, bevor wieder irgendwer aufbegehren konnte “Als Herr dieser Burg beschließe ich, dass Vadim alle Schuld Annas auf sich nimmt und den Dämon für sie erschlagen wird. Und dann, wenn dies getan ist, soll die junge Frau mit Lado gehen, um ein halbes Jahr lang unter unbedingter Beobachtung bei ihm zu leben.”

Die anwesende Novigraderin, um die es hier ging, hörte mit großen Augen zu. Und so sehr sie die beklemmende Vorstellung nicht mochte gehalten zu werden, so machte es sie in diesem Moment sprachlos, wie sehr Vadim, Lado und auch Valerian für sie einstanden. Gerade SIE, die Leute, die sie verraten und hintergangen hatte. Sie hatte die Männer belogen und sich verhalten, wie eine üble Furie. Und nun? Nun verteidigten diese Krieger sie gegen ein eigentlich gerechtfertigtes Todesurteil. Die Mutanten zogen den Kopf der Jüngeren mit dem arg schlechten Gewissen soeben aus der Schlinge, obwohl gerade sie es waren, die unter Anna’s verlogenen Machenschaften gelitten hatten. Die Giftmischerin glaubte das kaum. Und sie wollte etwas sagen, doch konnte nicht. Immer wieder sah sie zwischen den drei Hexern und dem zornigen Mob hin und her. Das hier rührte sie, führte ihr vor, wie wichtig ihre Verbündeten und Vertrauten für sie waren. Und weil sie im Moment solch eine dünne Haut hatte, hätte die Alchemistin am liebsten geweint. Schon wieder.

 

*

 

Zwei weitere Tage verbrachte Anna in ihrem Bett, bis sie sich dazu durchrang ein wenig in der Festung der Greifen spazieren zu gehen. Die Lage war ruhig und obwohl Vadim erklärt hatte, das irgendwo in der Nähe Redanier lagerten, die den Hexern an den Kragen wollten, gab es keinen Kampf. Oder vielleicht verschlief die fiebrige Anna jene einfach nur. Erst am dritten Tag rappelte sie sich auf, um sich wieder ein wenig um sich zu kümmern und die Waschräume der Burg aufzusuchen. Und hier stand sie nun, in einem zu großen Hemd, und sah ihrem Spiegelbild entgegen, als sähe sie eine Fremde. Seit Minuten rührte sie sich dabei kaum und starrte nur. Schwarzes Haar, das ihr in die Stirn fiel. Das Braun ihrer Augen war fort und ebenso dunkel. Anna war sprachlos und das nicht in positiver Hinsicht. Und sie glaubte, die altbekannte Übelkeit ereile sie wieder. Denn… was war mit ihr? Was war bloß mit ihr los? 

Die Giftmischerin fasste sich in den geschnürten Kragen, um jenen aufzuziehen und sich den Ausschnitt weit zu machen. Ihr Blick sank auf das eigenartige Mal an ihrer Brust; die Narbe, die ab und an unangenehm stach und sich genauso wenig, wie ihre linke Hand heilen ließ. Es sah aus, als habe man ihr das Zeichen eingeritzt: Eine senkrechte Linie, etwa einen Handrücken lang, umschlungen von einem leicht verzerrten ‘Z’. Das Ding sah aus, wie eine Rune oder ein Bannzeichen. Und obwohl in ihrer Gegenwart nie wer darüber gesprochen hatte, ahnte Anna Schlimmes, als sie die gerötete Narbe betrachtete.

“Scheiße…”, seufzte sie leise und ließ die Finger an ihrem Kragen wieder sinken. Die Frau, der die Haare in das Sichtfeld fielen, stützte sich an der Wand neben dem Spiegel ab und atmete einmal tief durch. Noch immer brannten ihre Lungen so sehr, dass sie keuchen musste. Und auch heute Früh hatte sie wieder Blut gehustet. Beim Frühstück war sie ohnmächtig geworden. Und an diesem Punkt angekommen hatte Lado beschlossen, dass es ihr besser täte, sie trinke jeden Tag verdünnte Schwalbe, einen HEXERTRANK, damit sie überhaupt aufrecht stehen konnte. Es war, als sterbe die leidende Anna langsam und als hielt sie nurmehr das rötliche Gebräu des Vatt’ghern aus Siofra bei Sinnen. Ihr Leben ging gerade steil bergab und sie konnte absolut nichts dagegen tun, außer darauf zu hoffen, dass es sich irgendwann wieder besserte. Oh, hätte die Novigraderin keinen Halt durch Vadim und Lado und keine Rückendeckung durch die Greifen gehabt, wäre sie nun tot. Anna wäre tot, verdammt. Und sie hatte so ein schlechtes Gewissen. Wie sollte sie je wieder gutmachen, was sie angestellt hatte? Diese Frage ging ihr wieder und immer wieder durch den Kopf. Das und Rist, der nicht da war und den sie mit Pech nie wiedersehen würde. Anna wunderte sich nicht darüber, dass sie, nicht wie jeder andere normale Mensch, an Schwalbe verreckte. Sie grübelte nicht über ihre veränderte Erscheinung nach, sondern hatte nur das im Kopf, was Vadim ihr erzählt hatte. Dass sie alles aufs Spiel gesetzt hatte, um ein Ziel zu erreichen, das ihr gerade so uninteressant erschien, wie noch nie zuvor. Lado hatte Anna weismachen wollen, dass der ihr unbekannte Entführer irgendetwas mit ihr gemacht hatte, das einer Kräuterprobe nahekäme. Dass er es geschafft hätte aus ihr irgendetwas zu machen, das einem Hexer glich. Doch, oh, wie könnte die Frau aus dem Norden dem Fremden dafür dankbar sein, geschweige denn sich freuen? Sie litt und wusste nicht, wie lange das noch anhalten würde. Was, wenn sie doch noch starb? Früher, da hatte sie immer gelacht und gemeint, es sei ihr egal, sollte sie beim Versuch eine Vatt’ghern zu werden die Hufe hochreißen. Sie hatte grinsend mit den Schultern gezuckt, dumme Scherze über das Sterben gemacht und war so ignorant gewesen. Das bereute sie heute. Und vor allem war sie eines Besseren belehrt worden, wenn es um ihre Vorstellungen und Ambitionen ging. Anna fühlte sich heute nicht stärker oder besser. Ihre Sinne waren noch dieselben, wie früher. WENN sie also irgendetwas von dem war, was sie sich früher einmal erträumt hatte, dann eine verzerrte Parodie ihres Wunsches. Eine verdammt teure Parodie.

“Anna?”, konnte die Schwarzhaarige von draußen hören und schreckte aus ihren Gedanken hoch. Ihr Blick streifte noch einmal flüchtig ihr ungeliebtes Spiegelbild, ehe ihre geröteten Augen die Türe suchten.

“Bist du da drin?”, fragte Vadim.

“...Ja.”, entgegnete die Jüngere.

“Ist alles gut?”, wollte der Hexer wissen.

“Ja… also… ja, soweit es eben gut gehen kann…”, brummte die Novigraderin und wandte sich, um langsam auf die Türe zuzugehen und sie zu öffnen. Als sie den wartenden Temerier dann sah, erkannte sie, dass er sich etwas unter den Arm geklemmt hatte. Es waren ihre Sachen; ihre Waffen, ihre Kettenweste und die Armschienen. Verblüfft blinzelte sie.

“Ich war im Wald unterwegs.”, erklärte sich der Wolf “Gestern. Und heute auch. Hier.”

Der Krieger mit dem harten Ausdruck überreichte der Kurzhaarigen das Bündel und ein wenig ungeschickt nahm sie Kampfmesser, Stahlschwert und Rüstung entgegen. All die Sachen, die sie sonst so oft an sich trug, wogen in ihren schwachen Händen plötzlich so schwer. Dennoch jammerte sie nicht und drückte ihr wiedergefundenes Hab und Gut froh an sich.

“Wo… hast du die Sachen gefunden…?”, fragte sie Vadim kritisch. Natürlich war es ihr klar, dass der Hexer das Labor oder Versteck des unbekannten Entführers entdeckt haben musste. Nur wo? Und was war mit dem Arschloch, das Anna gefoltert hatte? Hatte Vadim sich um diesen Kerl gekümmert? Oh, hoffentlich.

“In einer Höhle im Wald. Etwa drei Stunden von hier.”, sagte der Einäugige schlicht.

“Und… was war dort noch?”, wollte Anna wissen.

“Nichts und niemand.”, kam es auffallend schnell zurück “Es war nur ein unterirdischer, verlassener Platz voller… alter Bücher und kaputtem Alchemiekram...”

Die Nordländerin runzelte die Stirn. Sie musterte Vadim abwartend, doch er erzählte nicht weiter. Das, obwohl er doch sicherlich mehr gesehen hatte, als ein verlassenes Labor. Nur wollte Anna überhaupt Details wissen? Womöglich war es momentan ja gut, wenn man ihr nicht mehr erklärte. Denn alleine der Gedanke an das Loch, in dem sie eingesperrt gewesen war, brachte ihre Hände schon wieder zum Zittern. Sie schluckte schwer. Die dunkle Grube war so fürchterlich gewesen. Anna glaubte sich daran zu erinnern, dass dort eine stinkende Leiche gelegen hatte, neben der sie hatte kauern müssen. Sie… hatte versucht zu entkommen, doch die Wände des Loches waren zu steil und die Gefolterte zu schwach gewesen, um daran hochzuklettern.

“Wie fühlst du dich?”, hakte Vadim nach “Kommst du mit an die frische Luft? Lado und ich wollten trainieren. Du kannst zusehen, wenn du willst.”

Die Trankmischerin zögerte und holte Luft zum Sprechen, schloss die Lippen dann aber doch und schwieg. Sie wollte nicht raus, sondern zurück in ihr Bett, nachdem sie sich gewaschen hätte. Anna wollte schlafen, denn wenn sie das tat, musste sie nicht nachdenken.

“...Ich sehe eigenartig aus.”, sagte sie “Meine Augen-... es ist unheimlich.”

Vadim schnaufte leise und versuchte sich an einem nachgiebigen Lächeln.

“Womöglich bleibt das nicht so.”, sagte er und Anna wusste nicht, ob er dies nur tat, um sie zu beruhigen “Und wenn doch… dann kannst du so und so nichts dagegen tun. Also bereite dir keine Kopfschmerzen.”

“Das muss ich nicht.”, die Novigraderin grinste müde “Kopfweh habe ich auch so schon.”

“Dann leg dich wieder hin.”, schlug Vadim vor “Brauchst du irgendetwas?”

“Ich denke darüber nach mich zu betrinken.”, sagte Anna halbernst “Vielleicht spüre ich dann weniger.”

Der blonde Hexer schnaufte belustigt.

“Tse. Immerhin kommt dein alter, sehr schlechter Humor zurück…”, fand er.

“Ah, du hast doch keine Ahnung von Humor, Stinkstiefel. Also hör mir auf.”, hustete Anna leise. Und seit sie heute Morgen Lado’s Schwalbe getrunken hatte, kam dabei kein Blut mehr hoch. Dennoch tat es noch weh und sie verzog das Gesicht gepeinigt. Beinah fiel ihr das stählerne Messer aus ihrem Waffen-Rüstungs-Bündel. Die Miene des anwesenden Vatt’ghern wurde gleich wieder ernster, als er das sah und er ging der Kleineren zur Hand. Er nahm ihr ihre Sachen wieder ab und berührte sie auffordernd an der Schulter.

“Ich bringe deine Sachen in dein Zimmer.”, sagte er “Geh ins Bett, wenn du hier fertig bist.”

Anna nickte leicht. Und leise bedankte sie sich für alles.

 

Noch am selben Tag schreckte Anna aus ihrem tiefen Schlaf hoch, als sie ein lautes, schrilles Kreischen vernahm. Alles ringsumher schien kurz zu erbeben. Sie richtete sich mit einem Mal auf und sah verwirrt um sich, blinzelte matt und ihre Kehle verließ ein irritierter Laut. Draußen, am Gang vor dem Zimmer, ertönten eilige Schritte auf den alten, knarrenden Holzdielen und Leute schrien aufgebracht durcheinander. Sofort verstand die kranke Vagabundin, dass etwas nicht stimmte und die Redanier waren dabei das Erste, das ihr in den Sinn kam. Doch dann verwarf sie den Gedanken schnell, denn wieder hörte sie ein Grollen und jenes kam entschieden nicht von menschlichen Truppen. Etwas aufgelöst schälte sich die blasse Frau aus ihren Decken und kam auf die Beine. Nur in Hemd und Bruche lief sie hinaus, auf den langen Korridor, und dies beachtlich taumelig. Beinahe lief ein schwer Gerüsteter Krieger in sie, schimpfte irgendetwas und Anna taumelte angerempelt zurück. Sie fluchte eine Beleidigung, doch man ignorierte sie völlig. Noch ein Mann rannte an ihr vorbei und zur Treppe, die nach unten, in den Hof, führte. Man vernahm lautes Flügelschlagen, dann ein donnerndes Fauchen. Menschen schrien panisch und brüllten halbentschlossene Kampfschreie. Und Anna hastete derweil zu den Fenstern im Gang, durch die man nach unten, in den weitläufigen Burghof spähen konnte. Die unverletzte Hand auf den hölzernen Sims legend, äugte sie nach unten und musste nicht lange suchen, ehe sie das grausige Biest erkannte, das für das ausbrechende Chaos verantwortlich war. Die verdatterte Giftmischerin hielt den Atem an, als sie mit offenem Mund beobachtete, was passierte: Am Vorplatz der Festung der Greifenhexer bäumte sich gerade ein zotteliges, schwarzes Monstrum auf. Es breitete die ledigen Schwingen aus und riss das grinsende Maul weit auf, um zu bedrohlich Kreischen. Anna sah viele Reihen spitzer, langer Fänge und strauchelte vor Schreck fast vor dem Fenster zurück. Da unten waren Vadim, Lado und die Greifen. Mei war da, Aneta, der seltsame, große Nilfgaarder und so ziemlich alle von deren Verbündeten; die Zwerge, die Mietklingen und der Elfenmagier in der rot-schwarzen Robe. Die ganze, große Truppe stellte sich soeben gegen den fünfbeinigen Dämon am Platz. Und Anna wusste genau WER dieses Untier in diese Welt beschworen hatte: Sie selbst. Und diese Erkenntnis beutelte sie in diesem Augenblick, da das Monstrum zuschnappte und einen Söldner einfach so mit Haut und Haar verspeiste. Die Kranke weitete die Augen überfordert. Und hätte sie es sich in ihrem momentanen Zustand zugetraut, hätte sie ihr Schwert geholt und wäre losgehetzt, um ihren bedrängten Freunden zu helfen. Doch sie konnte nicht. Selbst zu hastig aufzustehen, bekam ihr schlecht und zu laufen erschöpfte sie schnell.

“Oh nein…”, flüsterte sie und ihre Augen wanderten unstet. Unruhig stand sie vor dem Fenster.

Vadim setzte nun vor und gestikulierte Igni. Lado verstärkte es mit seiner Hexermagie und auch Valerian kam vor, um den Dämon zurückzudrängen. Die restlichen Greifen, gerade acht an der Zahl, liefen herum wie aufgescheuchte Hühner oder jedenfalls machte es erst so den Anschein. Doch dann erkannte Anna, dass sie zusammen einen riesigen Yrden-Bannzauber auf dem Grund anbrachten. Die übrigen Vatt’ghern und deren Verbündete drängten das schwarze Geschöpf mit dem verklebten Pelz derweil zurück, lenkten es ab und schrien wütend. Ihnen allen voran stand Anna’s Ziehonkel und, oh, was hoffte sie, dass es ihn nicht erwischte. Der Dämon fuhr herum und ein Schlag seines geschuppten Schweifs reichte, um fünf Männer die Füße vom Boden fortzuwehen. Das Monstrum ließ den Schwanz hochschnalzen und das nur, um ihn dann wieder auf die Krieger niedergehen zu lassen, wie eine übergroße Peitsche. Einer von den Menschen stand daraufhin nicht mehr auf. Anna biss die Kiefer aufeinander, als sie das mit Grauen in der Miene betrachtete. Immer wieder sah sie zwischen dem Dämon, der nur ihretwegen da war, und dessen Feinden hin und her. Und, oh, fühlte sie sich ohnmächtig! Denn sie wollte etwas tun, doch konnte nicht. Sie konnte nicht, verdammt! Und daher blieb ihr nur sich auf die Fensterbank vor sich zu stützen und den Kampf im Hof der Festung zu beobachten; Dabei zuzusehen, wie der Dämon eines der kleineren Nebenhäuser der Burg einriss und einen Mann durch die Luft schleuderte; wie er Vadim beinahe schnappte und dutzenden Schwerthieben einfach so auswich. Doch dann, Momente darauf, schafften es die versammelten Vatt’ghern das schnarrende Biest auf ihren Yrden-Bannkreis zu manövrieren. Das Monstrum war nur einmal unaufmerksam und die Falle schnappte zu. Das geflügelte Wesen schrie auf und dessen Bewegungen verlangsamten sich schlagartig, als hielte eine unsichtbare Macht es barsch fest. Dann ging alles ganz schnell. Mit vereinter Kraft schafften es die Hexer, Mietklingen und Magier den Dämon zu besiegen. Und Vadim, der gab ihm am Ende den Todesstoß.

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