Kapitel 106 (Buch 4, 9)

IHR LETZTER SOLD

Anna’s Amnesie hielt nicht lange an. Und heute, ein paar weitere Tage bei den Greifen und eine schrecklich schaukelnde Schiffsfahrt nach Siofra später, erinnerte sie sich beinahe wieder an alles. An monatelanges Reisen, den erschreckenden Totentanz zu Saovine, an Undvik. Und insgeheim - denn sie wagte es nicht mit Vadim darüber zu sprechen - auch an die kurze Zeit vor ihrer Entführung in Kaer Iwahell und das Aufwachen danach. Nur die Tage in den Fängen des brutalen Fremden, der an ihr herumexperimentiert hatte, waren ihr nach wie vor schleierhaft. Aber wie auch immer. Anna wusste nicht, ob sie es nicht lieber hätte, sie hätte all ihre Erinnerungen nie wiedergefunden. Der Kriegerin war bewusst, was sie getan hatte; Dass sie Leute hintergangen, belogen, im Stich gelassen und verraten hatte und das nur, um zu jemandem zu werden, der tagtäglich verdünnte Schwalbe trinken musste, um nicht am eigenen Blut zu ersticken. Zu jemandem, dem die linke Hand nicht verheilte und dem eine kryptische Narbe juckte, die sich über die linke Seite des Schlüsselbeins zog. Zu jemandem mit unmenschlich schwarzen Augen, Narben im Gesicht und Haaren wie Pech. Oh, diese Erscheinung hätte so gut zu ihr gepasst, wäre sie wieder so, wie zu der Zeit, in der sie mit Bertram in den Krieg gegen die Redanier gezogen war. Einer Anna, die grimmig, verbissen, eiskalt und egozentrisch war, hätten die Narben und die blasse Haut gestanden. Es hätte jedes Klischee erfüllt. Doch… dieses Aussehen einer bösartigen Frau passte ihr nicht mehr. Denn mit den Einsichten, die sie in Kaer Iwahell hatte machen müssen, hatte sie sich verändert. Oder eher: Vielleicht war sie wieder die Alte. Die vermeintlich ‘gute’ Närrin von früher, nur mit mehr Gewissensbissen und weniger ‘Lebenstraum hinsichtlich eines Hexerdaseins’. Gerade, da hatte Anna es nur im Sinn wieder gesund zu werden. Und dann? Sie hatte keine Ahnung. Sie wollte wieder Monster jagen und reisen, vielleicht ab und an einmal Teller waschen, um Geld zu verdienen, oder Söldneraufträge erledigen. Schlussendlich konnte sie all das am besten und hatte nebenher nie etwas anderes gelernt. Die Novigraderin, die nun schon seit einer Woche in Bogenwald lebte, hatte sich auf kleine Ziele besonnen. Die großen von früher bräuchte sie nicht mehr und sie wollte sie auch nicht. Denn sie hatte am eigenen Leib und ob ihrer Dummheit spüren müssen, wie es endete, wenn man wahnsinnig nach etwas strebte, das man nicht haben konnte.

“Hier. Ich brauche das nicht länger.”, sagte Anna leise, als sie Lado ein kleines, zusammengerolltes Stück Pergament reichte und der glatzköpfige Hexer vor ihr sah fragend von seinem Kräuterbuch auf, das er gelesen hatte. Vor wenigen Momenten war sie zu ihm in sein kleines Haus gekommen, um sich ihren Mantel zu holen, der unweit der Eingangstüre auf der alten Garderobe hing. Und sie hatte dem Älteren in dem Zuge etwas mitgebracht.

“Was ist das?”, fragte die interessierte Viper nach, als sie das Schriftwerk entgegennahm und entrollte, um einen neugierigen Blick darauf zu werfen. Verblüfft hob Lado einen Atemzug später schon die Brauen und seine neue ‘Untermieterin’ kommentierte das.

“Das Rezept für die Kräuterprobe.”, sagte sie “Du sagtest doch, du willst die Vipernschule wieder aufleben lassen. Nun, da du Kaer Iwahell gesehen hast…”

“Was?”, atmete der Vatt’ghern fassungslos und sah von dem unsagbar wertvollen Papier in seinen Händen auf “Wo hast du das her?”

“Von einem… Freund. Er wiederum, hat es angeblich von irgendeiner Tante aus Aretusa.”, antwortete Anna und lächelte leicht, während Lado vorerst keine Worte mehr fand und wieder aus großen Augen auf die lange Rezeptur zurücksah, die drei komplexe Absude beschrieb. Die anwesende Frau atmete durch und es erstaunte sie, wie erleichtert sie das tun konnte. Dann wandte sie sich ab, um nach ihrem dicken Mantel zu fassen. Sie war nie jemand großer Ansprachen gewesen und wollte auch nicht zum Dank gedrückt werden, also war das Thema ‘Geschenk für Papa Lado’ für sie erledigt.

“Ich setze mich etwas an die frische Luft.”, sagte sie “Die sonnigen Lücken im Scheißwetter sollte man ausnutzen…”

Die Viper nickte, doch sah noch immer ganz perplex drein. Anna ließ den Mann alleine und etwas schwerfällig trat sie vor die Türe. Die permanent entzündete Wunde unter dem Verband an ihrer linken Hand tat höllisch weh, doch sie blendete das aus, als sie sich den roten Umhang um die Schultern legte und über den kleinen Hauptplatz Bogenwalds ging. Auf jenem hatte vor gut acht Monaten das Feuer zu Saovine gebrannt. Oder waren es schon neun? Irgendwie hatte Anna die Zeit aus den Augen verloren. Die Kriegerin trat in eine kleine Pfütze, denn bis vor einer Stunde hatte es, wie so oft, geregnet. Die Luft ringsumher roch frisch und angenehm nach dem nahen Wald.

“Na, Süße?”, grüßte Leto, der langhaarige Bogenwalder, der so gerne sang, und Anna hob die Rechte für eine knappe, grüßende Geste. Der Ältere, der gerade einen großen Stapel Feuerholz über den Platz schleppte, sprach viele Leute oft sehr kokett an oder zwinkerte Frauen zu, meinte das aber nur lieb. Daher ignorierte die Alchemistin das ‘Süße’ in seiner knappen Ansprache. Es war eigenartig Nachbarn wie ihn zu haben und im Bewusstsein zu leben, dass sich dies mindestens ein halbes Jahr lang nicht ändern würde. Ja, bei Melitele, Anna war gerade tatsächlich sesshaft, was? Dass sie das noch einmal erleben durfte!

Flach durchatmend ließ sich die kränkliche Frau Momente später auf der kleinen, etwas abgelegenen Bank an der Seitenwand der Taverne des Dorfes nieder. Es war die vom Wetter verwaschene Sitzgelegenheit, auf der sie Hjaldrist damals, zu Saovine, erklärt hatte, dass sein Vater Halbjørn tot sei. Von drinnen ertönte hüpfendes Flötenspiel. Die Frau eines Dörflers war ganz begabt darin zu musizieren und umso betrunkener sie war, desto besser konnte sie es. Und sie war oft besoffen.

Anna lungerte folgend eine halbe Ewigkeit lange auf der schmalen Holzbank bei dem Gasthaus ‘Zum torkelnden Schurken’ herum. Das tat sie oft und sie saß gerne in der Sonne des frühen Sommers. Was sollte sie auch anderes anstellen? Sie konnte nicht zu Vadim in den gefährlichen Wald gehen, um sich etwas ‘Auslauf’ zu gönnen und dem einäugigen Wolf bei der Arbeit zu helfen. Denn trotz Lado’s aggressivem Mittelchen, das sie regelmäßig zu sich nahm, verbesserte sich ihr erbärmlicher Zustand kaum. Und immer wieder würgte die Nordländerin Blut hoch oder verlor die Kontrolle über ihre Fähigkeit geradeaus zu sehen. Zwar wurde sie nurmehr selten ohnmächtig und bekam auch kein hohes Fieber mehr, doch das ließ sie nicht unbedingt hoffen. Auch schlief sie oft ein. Dies ab und an sogar im Sitzen, wie eine alte Frau. Und dann schreckte sie erst nach einiger Zeit wieder verwirrt hoch. Oder dann, wenn sie jemand aufweckte. So, wie gerade eben.

“Anna.”, machte Lado hektisch und die Novigraderin, die eingenickt gewesen war, blinzelte überwältigt. Sie nuschelte noch halb im Schlaf irgendetwas von Käsesuppe, bevor sie wieder völlig im Hier und Jetzt angelangte. Sofort setzte sie sich gerader hin, räusperte sich und sah auf.

“Was?”, atmete sie. Ach, verdammt.

“Du willst mit mir mitkommen.”, meinte der Hexer hintergründig bestimmend und hatte sich, den Hauptplatz im Rücken, regelrecht vor Anna aufgebaut. Wirr sah die Sitzende zu ihm und runzelte die Stirn.

“Was?”, machte sie irritiert “Warum?”

Lado verzog das Gesicht unschlüssig und sah aus, als wüsste er nicht, ob er unzufrieden oder betreten wirken sollte. Dann trat er einen ganz kleinen Schritt weit beiseite. Die schwarzen Augen der Giftmischerin folgten ihm dabei wirr.

“Lado?”, fragte sie langsam. Was war denn los? Warum sollte sie gerade jetzt mit ihm gehen wollen? Stimmte etwas nicht?

Anstatt zu antworten deutete der Vatt’ghern schlicht hinter sich. Zu dem Fleck, den er gerade vorhin noch mit seinem Körper verdeckt, doch mit seinem halben Seitenschritt wieder einsehbar gemacht hatte. Anna’s Aufmerksamkeit folgte dem Fingerzeig des Älteren und sie beugte sich dafür leicht vor. Ihre dunklen Augen wanderten zu der vielleicht dreißig, vierzig Schritt weit entfernten Hausecke des bescheidenen Heims des Katzenäugigen. Und die Novigraderin, die nichts Böses erwartet hatte, erstarrte mit einem Mal und glaubte ihre Zunge zu verschlucken. Sie weitete den Blick überfordert und wagte es kaum zu atmen.

“Lado.”, wisperte sie tonlos hervor.

“Er hat dich noch nicht gesehen...”, meinte der Mutant und Anna schaffte es nicht die Augen von dem in der grünen Tunika und dem weiß-braun melierten Fellumhang zu nehmen, der unweit bei Leto stand und sich gut mit jenem zu unterhalten schien. Ihr Atem beschleunigte sich und auf einmal war sie hellwach, regelrecht alarmiert. Oh, was zum-?

“Komm mit.”, murmelte der Hexer, der Anna gerade lieb zur Flucht verhelfen wollte “Gehen wir spazieren. Er kam gerade erst an und begrüßt Leto. Wenn er mich sieht, kommt er sicher her und dann bemerkt er auch dich. Also hopp, hopp.”

Anna hörte indes kaum, was Lado sagte. Noch immer starrte sie an ihm vorbei zu Hjaldrist, der in voller Montur und mit seiner Krone am Haupt nahe dem Hauptplatz stand. Er stützte sich dabei schwerfällig auf eine Krücke. Haldorn war auch da. War Rist verwundet? Wieso? Und was suchte er hier? Anna’s Gedanken begannen zu rasen und kamen auf keinen Punkt. Ihr wurde es unglaublich warm.

“Anna?”, machte Lado abermals, um zur Eile zu ermahnen “Er wird nicht ewig mit Leto sprechen.”

Und die aufgeregte Novigraderin erhob sich auf diese Worte hin endlich langsam. Nur kurz nahm sie dabei den Blick von ihrem ehemals besten Freund. Doch dann sah sie wieder hin, konnte nicht anders. Sie taxierte den Undviker, der sich kaum verändert hatte. Seine Haare waren etwas länger als früher, doch das war es auch schon. Es war solch ein vertrautes Bild und Anna standen die Lippen noch immer fassungslos offen. Ihr Herz begann unangenehm schnell zu pochen und ihr Denken sprang ebenso im Kreis.

“Nein.”, sagte sie leise. Und damit meinte sie nicht die unfassbare Situation an sich, sondern Lado’s Vorschlag einfach abzuhauen. Die Frau schluckte trocken und ihre kalten, feuchten Hände zitterten vor Nervosität.

“Nein, ich laufe nie mehr davon.”, vollendete sie ihre Antwort an die hilfsbereite Viper leise. Und damit wandte sie sich von Lado ab, um all ihren Mut zusammen zu nehmen und entschlossen auf den Jarl Undviks zuzugehen. Sie kam von seitlich hinten und er sah sie nicht. NOCH nicht. Doch gleich würde er das. Ob er sehr wütend wäre? Bestimmt. Doch es war Anna egal. Alles war ihr gerade so einerlei. Sie wollte einfach nur vor Rist treten und mit ihm sprechen, ihn aus der Nähe sehen und Hallo sagen. All das, egal, was geschehen möge und wie der Westländer reagieren sollte. Oh Götter, denn sie hatte ihn vermisst. Die Schultern gezwungenermaßen straffend kam Anna also zu ihm und dann, man mochte es kaum glauben, streckte sie tatsächlich die Hand nach Hjaldrist aus. Einfach so erwischte sie ihn auffordernd am Ärmel und brachte den Mann dazu sich fragend nach ihr umzusehen. Hiermit hatte er offenkundig nicht gerechnet. Denn als sein Blick auf seine frühere Kameradin fiel, sah er in der ersten Sekunde noch so unbekümmert aus. Da war sogar noch ein leichtes Grinsen in seinem Gesicht, weil Leto davor einen blöden, anzüglichen Scherz gemacht hatte. Doch dann, oh, da verfinsterte sich die Miene des adeligen Skelligers schlagartig. Als er die unruhige Novigraderin im roten Mantel erkannte, verengten sich seine braunen Augen leicht und sein Ausdruck wurde steinhart. Alleine dieser Anblick brachte die Kranke dazu den Ärmel des Älteren sofort wieder loszulassen, als hätte sie sich daran verbrannt. Zwei, drei Schritte weit wich sie zurück und fürchtete einen Herzschlag lange gar, ihr käme gleich eine Faust entgegen. Doch zum Glück schlug man sie nicht.

“Rist...”, sagte Anna scheu und mehr fiel ihr in diesem Moment wahrlich nicht ein. Ihr blieb der Atem fast weg, weil sich das hier wie ein Traum anfühlte. Aus ungläubigen Augen sah sie dem Mann entgegen, der sich messingfarbene Perlen in die zurückgebundenen Haare eingeflochten hatte. Da waren mehr graue Strähnchen in eben jenen, als früher. Die Augenlider hatte der Jarl sich schwach mit Kohlestift nachgezogen. Das hatte Hjaldrist früher nie gemacht. Er… er war so hübsch.

“Ach.”, entkam es ihm trocken und es war, als sinke die Temperatur ringsum rapide. Als bräche auf einmal der tiefste Winter aus. Und die Sagen rund um die Weiße Kälte waren ein Dreck dagegen. Anna glaubte, ihr rutsche das Herz in die Hose. Sie ballte die Hände zu Fäusten und kämpfte gegen den Drang an weiter abweichen zu wollen. Dann sagte Rist das, was auch Balthar seiner entnervten Ziehtochter einst, bei ihrem ersten Wiedersehen auf Burg Sturmfels, bitterböse entgegengeworfen hatte:

“Wie fühlt es sich an eine Verräterin zu sein?”, und diese Worte waren wie Gift. Gift, das die, die heute sogar echte Hexertränke zu sich nehmen konnte, nicht vertrug. Ihr wurde es abrupt schlecht und wäre sie nicht schon blass gewesen, wäre ihr spätestens nun sämtliche Farbe aus dem Gesicht gewichen. Anna bemerkte, wie Lado neben sie trat, doch das machte die schlimme Situation nicht besser. Und wie ein unbeholfenes Kind fing sie an zu stammeln, doch bekam, wie leider so oft, keinen sinnigen Satz hervor. Der Undviker vor ihr schnaufte verstimmt und sah fort. Er drehte Anna den Rücken halb zu, um sich den Rucksack abzunehmen und ein längliches Bündel davon loszuschnüren. Was… was tat er da?

“Hjaldrist…”, sagte Anna und versuchte nicht bestürzt und traurig, sondern beschwichtigend zu klingen. Er ignorierte sie. Und als er das Paket aus grün-blauem Tartan-Stoff von seinem restlichen Gepäck genommen hatte, sah er aus dem Augenwinkel zurück zu ihr. Lieblos warf Rist Anna sein ‘Mitbringsel’ vor die Füße. Sie schluckte schwer.

“Hier.”, sagte er kalt “Dein letzter Sold, Hexerin.”

“Was…?”, flüsterte die empörte Schwertkämpferin und sah verwirrt auf das Bündel zu ihren Füßen, das etwas mehr als einen Meter maß.

“Für den Auftrag, den ich dir einst gab. Für den auf Undvik.”, sagte der Mann mit dem ungewohnt abschätzigen Blick. Er verzog den Mund grimmig und Anna glaubte zu verstehen, was er meinte: Den Mord an Orlan, seinem wahnsinnigen Onkel, dem Monster.

“Das… war kein Auftrag.”, wehrte sich die vor den Kopf gestoßene Kräuterkundige sofort vehement und trat vor ihrer Bezahlung zurück “I-ich habe ihn umgebracht, weil wir Freunde-”

“Wir sind keine Freunde, Arianna.”

Der Frau stockte der Atem und sie blinzelte benommen, denn diese Worte hatten sich angefühlt, als täten sie ihr körperlich weh. Und das viel mehr, als alle anderen Wunden, die sie in den vergangenen Monaten erfahren hatte. Tränen stiegen Anna in die Augen und sie schaffte es nicht mehr sich zu mehr, als einem dünnen ‘Es tut mir leid’ durchzuringen. Rist ließ das alles unberührt. Er betrachtete sie nur kurz, sah weg, entdeckte ein Stöckchen, das irgendwo vor ihm am Grund lag und hob es leger auf. Er zeigte es Anna, als sei sie schwer von Begriff. Dann brach er es demonstrativ entzwei. Es knackte und der Blick des ungeheuer stolzen Jarls brachte die Giftmischerin um.

“Es tut mir leid.”, äffte er die Alchemistin gleich nach und schmiss ihr auch das entzwei gebrochene Holzstückchen lieblos vor die Füße. In diesem Moment wünschte Anna es sich, sie wäre unter der Fuchtel des unbekannten ‘Forschers’, der sie im letzten Monat entführt hatte, gestorben. Solch ein Tod wäre gnädiger gewesen, als DAS hier.

Anna wollte noch etwas sagen, doch sie wusste nicht was. Sie holte mit schmerzender Brust Luft, um zu sprechen, doch traute sich am Ende nicht auch nur irgendetwas von sich zu geben. Hjaldrist’s fremde Ausstrahlung war nämlich erdrückend. Sie sah, wie auch Haldorn sie unsäglich abfällig musterte. Dann drehten die Skelliger ihr einfach die Rücken zu, um mit dem gastfreundlichen Leto zu gehen.

“Ich hoffe, du hast genug Bier da. Mein Bruder hat Durst…”, drohte Hjaldrist dem Bogenwalder witzelnd an, als sei die ‘Bezahlung für den Auftrag in Undvik’ vor wenigen Sekunden gar nicht passiert.

“Oh ja, und wie ich den habe! Scheiße, die letzten Wochen waren echt hart.”, lachte der jüngere Falchraite. Und die Inselleute ließen Anna einfach stehen. Wie im Schock verharrte sie an Ort und Stelle und stierte aus gläsernen Augen vor sich hin. Sie reagierte nicht, als Lado ihr eine Hand auf die Schulter legte und sanft zudrückte. Gerade, da fühlte sie sich so… leer. Unangenehm leer und ausgebrannt. Sie schaffte es nicht einmal zu heulen.

“Komm…”, machte der Vatt’ghern “Du brauchst jetzt sicherlich einen guten Schluck Butterlikör. Ich habe genug davon da.”

“...Er hasst mich.”, sagte Anna und sah aus, wie ein getretener Hund “Ich… ich habe es gewusst. Lado. Er hasst mich.”

Und der glatzköpfige Hexer schwieg. Denn wie hätte jemand, der das schlimme Szenario zwischen den ehemals engsten Freunden gerade gesehen hätte, auch nur an dem zweifeln können, was die Kurzhaarige gerade gesagt hatte?

“Na, komm.”, bestand die Viper demnach nur noch einmal. Lado bückte sich nach der ‘Bezahlung’, die Hjaldrist Anna hingeworfen hatte und hob das längliche Bündel für sie auf, um es ihr zu reichen. Doch sie nahm es nicht an. Sie sah dieses verdammte Ding, um das man Stoff in den Falchraite-Hausfarben gewickelt hatte, an, als geschähe etwas Schlimmes, wenn sie es annähme. Dabei war das Drama schon längst passiert; kurz und ungeheuerlich schmerzvoll. Und weil die Novigraderin so überfordert dreinsah, behielt der Hexer bei ihr das Bündel solange einfach. Er legte Anna eine Hand auf den Rücken und drängte sie sanft weiter, um sie mit in sein Haus zu nehmen. Dort angekommen, ließ sich die Frau auf einen der Stühle vor dem Tisch sinken. Sie stützte die Ellbogen auf die alte Ablage, auf der noch Krümel vom Frühstück lagen, und vergrub das Gesicht zwischen den kalten Händen. Lado legte Rist’s Paket vor ihr ab und wandte sich dann ab, um vor seine kleine Vitrine zu treten, in der Geschirr und ein paar bauchige Flaschen standen. Der gutmütige Kerl holte eine Pulle bräunlichen Likörs aus dem Schrank und klaubte nach zwei Schnapspinnchen, die er schweigend zu Anna brachte. Ihr gegenüber setzte er sich hin und schenkte ihnen beiden ein. Und dann wartete er. Er wartete, bis sich die Jüngere wieder etwas gefasst hatte, die Nase hochzog und die Hände wieder vom Gesicht fortnahm. Die Viper sah Anna an, während sie den Kopf immer wieder im Unglauben schüttelte und dabei in die Leere vor sich starrte. Rist war hier. Er war in diesem Dorf und Anna könnte nicht zu ihm. Seit Riedbrune hatte sie sich so sehr danach gesehnt zu Hjaldrist zurückzugehen und ihn irgendwann einmal wieder zu sehen. Und jetzt war er einfach da. Ganz plötzlich und unerwartet, greifbar. Und Anna konnte NICHTS tun, denn er hatte ihr ganz offen gezeigt, was er zuletzt von ihr hielt: Nichts. Es tat weh und dieser unglaublich finstere Blick, mit dem dieser Mann sie bedacht hatte, ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Rist war nicht weit. Und dennoch brachte das nichts. Es war, als sähe er in seiner früheren Wegbegleiterin noch weniger als eine Fremde.

Stumm und frustriert streckte Anna die Hand nach dem fast überschwappenden Pinnchen aus, das Lado ihr mit dem süßem Likör vollgemacht hatte, den er immer selbst ansetzte. Doch sie hielt inne und griff stattdessen zu der ganzen Flasche, die ebenso am Tisch stand. Ohne etwas von sich zu geben, nahm sie einen tiefen Schluck daraus.

“Warum siehst du es dir nicht an?”, fragte Lado nach einer kurzen Zeit in die zähe Stille hinein und deutete mit dem bärtigen Kinn auf das lange Bündel vor Anna. Sie stockte in ihrem Tun und sah aus ihren schwarzen Augen auf. 

“Ich will es nicht.”, sagte sie verbittert.

“Bist du denn nicht neugierig? Du musst das Geschenk ja nicht annehmen. Aber pack es doch mal aus.”

“Es ist kein Geschenk.”

Lado atmete entnervt durch und zwang sich zu einem nachgiebigen Lächeln.

“Anna…”, seufzte er.

“Es soll eine Bezahlung für einen Gefallen sein, den ich ihm als Freundin getan habe.”, sagte die Frau vergrämt “Weil er diesen Gefallen plötzlich als Auftrag ansieht und nicht als… als…”

Anna suchte nach Beschreibungen, doch fand keine.

“Ich weiß doch.”, antwortete die Viper “Aber bestimmt hat er sich bei dieser… Bezahlung auch etwas gedacht. Sonst wäre er nicht so lange hierhergereist, um sie dir zu geben. Er hätte sie auch über einen Boten schicken können. Stattdessen kam er persönlich.”

Anna schloss den Mund und ließ den Blick auf das grün-blaue Paket vor sich sinken. Und sie starrte es lange an, bevor sie sich zu Herzen nahm, was der anwesende Hexer gesagt hatte. Jener war an die 92 Jahre alt. Wahrscheinlich war er weise und hatte Recht. Vorsichtig zog Anna also an dem dunklen Lederband, das den dicken Stoff um die ungewöhnliche ‘Bezahlung’ des Jarls hielt. Und schon bevor sie das Tuch zur Seite schlug, ahnte sie, was sich darunter verbarg, denn die Form des Bündels war doch offensichtlich.

Anna’s Blick fiel auf ein Silberschwert mit einem Wolfskopf am flachen Knauf. Der Griff über der gebogenen Parier war mit glattem, braunem Leder umwickelt und Runen glommen wie Glut in der Blutrinne der Waffe, deren scharf geschliffene Klinge aufblitzte. Die fassungslose Frau hatte noch nie im Leben solch eine schöne Waffe gesehen. Kein Hexer, den sie kannte, besaß ein Schwert, das diesem hier gleichkam. Es musste sündhaft teuer und der Schmied, der es angefertigt hatte, ein wahrer Meister seines Werks gewesen sein.

“Ein Silberschwert.”, erkannte Lado und beugte sich leicht vor, um die magischen Runen in der Klinge genauer zu betrachten. Der Vatt’ghern staunte.

“Meine Güte. Das Ding hat sicher so viel gekostet, wie mein ganzes Haus mitsamt Einrichtung.”, fand die Viper beeindruckt. Doch Anna riss sich gleich wieder zusammen und ihr Ausdruck wurde strenger. Ihre unsteten Augen hörten auf unruhig zu wandern und sie erhob sich. Tief atmete sie durch und ignorierte ihre Lungen, die dabei wie gewohnt etwas kratzten.

“Anna?”, Lado sah zu ihr, als sie den Stoff wieder über die Waffe schlug, jene tonlos an sich nahm und entschlossen losging. Verwirrt sah er ihr nach, doch hielt die Giftmischerin nicht auf. Anna hielt folgend über den kleinen Hauptplatz Bogenwalds, bis sie vor die große Taverne kam und deren knarrende Türe aufschlug. Sie wusste nicht so recht, was sie tat und war unglaublich nervös. Doch gleichzeitig ärgerte sie sich auch und war verwirrt. Impulsiv, wie sie war, wollte sie ihren Standpunkt gleich klären, weil sie das vorhin nicht geschafft hatte. Das, obwohl ihr Bauch ihr gerade sagte, dass sie besser und einmal wieder einfach wegrennen sollte. Aber das tat sie nicht, denn ihr Kopf stemmte sich dagegen. Niemals wieder würde Anna fliehen. Vor nichts und niemandem. Und daher stand sie wenige Atemzüge später schon vor dem Tisch, an dem Rist, Haldorn und Leto saßen. Die drei Männer hielten sofort inne, als die bleiche Novigraderin angerauscht kam. Sie holte Luft, nahm sich gewaltsam zusammen und warf das Schwert, das wieder im blau-grünen Tuch steckte, auf die schmierige Ablage vor Hjaldrist’s Nase. Es schepperte und hätte Leto nicht gleich reagiert, wäre einer der Kerzenhalter umgekippt und ein tönerner Becher umgefallen. Anna blendete das aus und versuchte den Blickkontakt zu Hjaldrist zu halten. Nun wegzusehen hätte genau für die Schwäche gesprochen, die sie eigentlich verspürte. Sie wollte nicht unbeholfen dastehen, denn das hier war ernst.

“Ich nehme das nicht an.”, sagte die Nordländerin und beinahe zitterte ihre Stimme wieder “Das, damals, war kein Auftrag. Und ich bin keine-… ich bin keine Hexerin.”

Der Jarl schwieg und sah Anna unbeeindruckt an. Sie haderte innerlich mit sich und versuchte das nicht offen zu zeigen.

“Lass uns reden.”, entkam es ihr “Bitte.”

Rist lachte kurz und freudlos auf. Er verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich zurück.

“DAS ist ja mal was Neues.”, meinte er “ANNA will reden.”

Haldorn rollte mit den dunklen Augen und Leto schwieg, um sich komplett aus dem heiklen Gespräch herauszuhalten.

“Ja, will ich.”, bestätigte die Schwarzhaarige “Ich… ich bin nicht mehr so, wie früher. Also ja, ich will mit dir sprechen.”

“Leute, wie du, ändern sich nicht.”, konterte der Skelliger überzeugt “Aber gut. Wenn du reden willst, dann rede. Ich warte.”

Der kühle Mann machte keine Anstalten sich zu erheben. Er und sein Bruder starrten Anna erwartungsvoll an und es war ihr unsäglich unangenehm. Auch Leto spitzte die Ohren neugierig.

“Unter vier Augen…”, bestand die Burschikose, obwohl sie vielleicht nicht in der Position war Forderungen stellen zu dürfen. Es war ihr nach wie vor bewusst, was sie angestellt hatte und sie fühlte sich schlecht deswegen. Aber sie wollte sich auch aufrichtig entschuldigen und sich erklären. Rist musste nicht wieder zu ihrem Freund werden, doch Anna wollte zumindest, dass er sie nicht mehr so abwertend ansah. Sie wollte mit ihm ganz normal umgehen können. Ob das irgendwann wieder möglich wäre? Oh, hoffentlich.

“Bitte, Rist.”, entkam es der Frau abermals und sie schluckte trocken. Sie sah, wie der Undviker daraufhin genervt ausatmete. Doch dann nickte er endlich und erhob sich widerwillig.

“Bin gleich wieder da…”, sagte er zu seinem Bruder, der ihm nur einen sehr, sehr schiefen Blick zuwarf.

“Ernsthaft...?”, fragte Haldorn mit dunklem Unterton und Anna sah fort, damit sie die anschuldigende Miene des Kriegers nicht sehen musste. Hjaldrist schwieg einfach und griff nach seiner Krücke, um sich unzufrieden darauf zu stützen und seiner früheren Begleiterin einen finster-abwartenden Blick zu schenken. Sie nickte im stummen Dank, dann wandte sie sich ab, um das Gasthaus zu verlassen, und der Jarl kam ihr nach. Vor dem Haus sah sich die Kranke dann nach Rist um und wartete, bis er sich auf die etwas schiefe Bank vor der Schänke gesetzt hatte. Mit seiner Verletzung wollte er sicher nicht länger, als nötig, stehen. Anna’s Augen wanderten an dem Älteren hinab und sie sah die Schiene, die dessen Bein gerade hielt. Unruhig knetete sie sich die Finger der schmerzenden Linken.

“Also, da wären wir. Was ist?”, fragte der wenig begeisterte Undviker und die Giftmischerin sah wieder von dessen Knie auf.

“Wie… ist das passiert…?”, fragte sie vorsichtig nach und meinte damit die offensichtlich schwere Beeinträchtigung des Skelligers.

“Ein Schiffsmast ist auf mich gefallen.”, sagte er trocken und Anna wunderte sich darüber, dass er ihr ihre Frage überhaupt beantwortete. Sie zog die Brauen zusammen und betrachtete den ansehnlichen Krieger eingehend. Denn die Vorstellung, dass der riesige Mast eines Bootes auf eben jenen fiel, war beängstigend. Was war nur passiert?

“Was…?”, murmelte Anna also irritiert “Warum?”

“Egal.”, blockte Rist kühl ab “Du wolltest reden.”

Anna verstummte kurz, ehe sie das alte Thema wiederfand. Und als sie das tat, wusste sie nicht, wie sie anfangen sollte. Also tat sie es mit einer ungeschickten Entschuldigung.

“Es tut mir leid, was passiert ist.”, meinte sie kleinmütig und schaffte es nicht länger ihrem sitzenden Gegenüber in die Augen zu sehen “Ich… ich weiß nicht, was ich sonst sagen soll. Und es macht nichts wieder gut. Aber… entschuldige.”

Hjaldrist sagte nichts, also versuchte Anna die bedrückende Stille zu füllen. Scheiße, sie hasste es. Sie machte sich hier gerade völlig zum Affen.

“Ich… ich wollte zurückkommen…”, beteuerte die Frau aufrichtig und fühlte sich so winzig klein “Aber ich hatte kein Geld. Und… und daher konnte ich nicht. Und irgendwann-”

“Aha.”, war das einzige, das dem Undviker dazu einfiel. Und seine desinteressierte Haltung, die keinerlei Erklärung annahm, drohte noch Anna zur Verzweiflung zu treiben. Nervös wechselte sie das Standbein und suchte nach passenderen Phrasen, doch sie fand keine. Zum Glück - oder auch nicht - übernahm Rist diesmal das Reden.

“Ich glaube dir nicht, Arianna.”, sagte er “Du hast mein Vertrauen gebrochen und nicht nur das. All dies bewusst und eiskalt. Also erwarte nicht, dass ich deine Entschuldigung annehme und so tue, als sei nie etwas passiert.”

Emotionslos betrachtete der Skelliger die stotternde Frau im roten Mantel. Und er wunderte sich insgeheim über sie. Das tat er schon seit er Anna vorhin zum ersten Mal wiedergesehen hatte. Hjaldrist hatte mit viel gerechnet, nur nicht HIERMIT. Er hatte geglaubt, er treffe eine fauchende Furie mit entstelltem Gesicht, die ihn anblaffte und ihm mit Mord drohte, wenn man sie nicht alleine ließ. Eine Anna, die er nicht wiedererkennen würde. Nun, er erkannte sie gerade auch tatsächlich kaum. Doch die Richtung, in die das ging, war eine andere und verfehlte seine Befürchtungen. Sie lief, genauer gesagt, in genau die entgegengesetzte Richtung. Anstatt einen übermütigen Trampel zu sehen, musste sich der Jarl nun das Gejammer eines grauen Mäuschens anhören, dessen Gesichtsnarben schlimmer sein könnten. Dazu kam das übrige Aussehen Annas. Ihre Haare, ihre Augen. Was war damit? Was hatte sie angestellt, um sich so zu verändern? Sie hatte es doch nicht etwa geschafft eine Art Kräuterprobe zu durchlaufen? Diese Fragen war drängend, doch der innerlich so wirre Undviker hakte nicht nach. Er wollte nicht den Anschein erwecken, dass er sich zu sehr für Anna interessierte. Denn er wollte ihr keine Hoffnungen machen. Heute hatte er mit ihr abgeschlossen und diese vermaledeite Frau, dieses Übel, das ihm einst das Herz zerschmettert hatte, könnte nichts tun oder von sich geben, das etwas daran ändern würde. Ja, früher hatte er sie geliebt. Doch jetzt? Jetzt war da nurmehr der kalte Gram darüber, was sie getan hatte. Mehr fühlte er nicht für sie. Ja, was war Anna schon? Was war von ihr geblieben?

“Ich will die Kräuterprobe nicht mehr, Rist.”, sagte die Besagte nun und der Undviker hob eine Braue, als eine seiner großen Fragen damit indirekt beantwortet wurde “Es ist viel Scheiße passiert. Und… ich habe daraus gelernt.”

“Das interessiert mich nicht.”, gab der Jarl prompt zurück “Also hör auf dich zu rechtfertigen.”

Doch die eigentlich bemitleidenswerte Novigraderin hielt nicht inne, leider. Gerade, da fing sie damit an sich verzweifelt erklären zu wollen, weil sie ein bisschen den Halt verlor. Ihre unmenschlichen Augen wanderten unruhig und man sah sie trocken schlucken.

“Ich hatte viel Angst, früher. Andauernd. Sie hat mich immer gelenkt.”, glaubte die Alchemistin “Und deswegen bin ich weggerannt, verstehst du? Ich habe viel zu spät bemerkt, dass ich dich-... also zu Neujahr...”

Abwartend sah der Westländer die unruhig atmende Vagabundin an. Oje. Was käme JETZT? Die Chaotin holte Luft, um ihre kleinlaute Ansprache völlig aufgebracht fortzusetzen. Doch dann, ganz plötzlich, veränderte sich in ihrer Mimik etwas. Ihr verzweifeltes Gesicht wurde weicher, ihre steife Haltung entspannt. Und aus ihren unnatürlich pechschwarzen Augen sah sie auf, um ganz plötzlich selbstbewusst Blickkontakt zu suchen. Anna lächelte schmal und verschlagen. Sie schnaufte amüsiert, als belustige die Situation sie auf einmal. Hjaldrist beobachtete dezent verwirrt, wie die Giftmischerin ihn so unerwartet auf eine eigenartig fremde Art und Weise ansah. Was sollte das nun plötzlich? Sie befeuchtete sich die trockenen Lippen mit der Zunge.

“Die Liebe ist schon etwas Schönes, nicht wahr?”, lächelte sie und das passte so wenig zu der sonst so verbohrten Frau, dass Hjaldrist sich sofort alarmiert fühlte. Irgendetwas stimmte nicht.

“Sie umfängt uns so federleicht, bringt unsere Herzen dazu höher zu schlagen, lässt uns fliegen…”, säuselte Anna belustigt und schüttelte den Kopf leicht, ehe sich ihr Gesicht pikiert verzerrte “Und dann… dann lässt sie uns so, so hart fallen. Wir stürzen tief und unsere Knochen zerschmettern am harten Grund der Realität.”

“Was redest du da?”, entkam es dem Undviker gleich streng und er fasste aufgerüttelt nach seiner Krücke, um aufzustehen. Plötzlich fühlte es sich absolut unwohl an zu Sitzen.

“Ah, ich liebe die Liebe.”, setzte die Schwarzhaarige ungehalten fort “Und wisst Ihr, was ich beinahe genauso liebe? Den Hass.”

“Arianna?”, fragte Hjaldrist drängend und eine beängstigend schlimme Ahnung beschlich ihn.

“Wenn es etwas gibt, das beinahe so mächtig ist, wie die Liebe, und einen genauso stark verändern kann, dann der Hass. Aber, oh, was erzähle ich Euch denn, Junge? Ihr wisst all das doch selbst sehr gut, nicht wahr? Der Hass wurde längst zu Eurem guten Freund.”

Der Jarl starrte sein Gegenüber, das ganz klar NICHT Anna war, feindselig an.

“Verschwinde.”, flüsterte er drohend und sah, dass der Novigraderin etwas Blut am Mundwinkel klebte. Es schien sie nicht zu stören, denn sie sprach einfach weiter.

“Va fail, elaine. Caed’mil folie…”, lächelte die Kurzhaarige verwegen. Alte Sprache. Hjaldrist verstand sie und die Äußerung, die beschrieb, wie Schönes zu Wahnsinn wurde, machte ihn wütend. Denn die Person, die soeben aus Anna sprach, machte sich damit über ihn lustig. Er verzog das Gesicht verärgert.

“Wer bist du?”, knurrte der Mann “Was hast du mit Anna gemacht?”

Der Körper der Besagten lächelte nur weiterhin bösartig. Blut tropfte ihr aus dem Mund und über das Kinn, besudelte ihren Schal und die gestreifte Jacke unter dem roten Umhang. Die Frau blinzelte benommen, atmete schwer aus und dann war sie mit einem Mal wieder da. Ihr Blick suchte den Undviker ratlos und wurde einen heiseren Atemzug darauf unglaublich verloren.

“Was war das?”, wollte Hjaldrist sofort wissen.

“Was…?”, keuchte die Jüngere zerstreut und musste leise husten. Sie bemerkte das Blut in ihrem Gesicht, fasste sich an die Lippen und gab einen verhaltenen Schmerzenslaut von sich. Gleich wandte sich Anna orientierungslos ab. Vielleicht wollte sie nicht, dass Hjaldrist sie so sah. Doch es war zu spät. Er hatte das dickflüssige Rot und mehr, viel mehr, längst erkannt. Und genau das ließ ihn jetzt nicht so, wie vorhin, kalt. Das surreal erscheinende Szenario von gerade eben rüttelte ihn hart auf und es wurde nicht besser, als Anna auf einmal einem röchelnden Husten verfiel und sich dabei die vorgehaltene Hand dunkel und zähflüssig befleckte. Die Alchemistin ging fast in die Knie, als sie der abrupte Anfall beutelte, und sie verlor das Gleichgewicht. Das hier war nicht gespielt. Anna haschte nicht nach Mitleid und verstellte sich nicht, um Hjaldrist für sich zu gewinnen. Was geschah, war echt. Und es war erschreckend. Entrückt sah der Skelliger dabei zu, wie Anna keuchend niederging und sich dabei nach Luft ringend an die Brust fasste. Was auch immer gerade aus ihr gesprochen hatte, brachte sie hier fast um. Und dies war etwas, das man nicht ausblenden konnte oder sollte. Es war gefährlich. Und Hjaldrist müsste dringend mit Lado sprechen.

 

Zwei, drei Stunden später wusste der Undviker über das, was in Kaer Iwahell geschehen war, Bescheid. Lado hatte ihm alles erzählt, was er wusste und überließ Hjaldrist vorerst seinen eigenen Gedanken. Während der entrückte Skelliger am Tisch des Hexers saß und grüblerisch-finster vor sich hin sah, hatte Lado sich erhoben, um sich in seiner Küchennische daran zu machen Gemüse kleinzuschneiden. Anna war nicht hier. Sie hatte vorhin, als sie vor der Taverne zusammengebrochen war, für wenige Sekunden das Bewusstsein verloren. Ein paar Dörfler waren herangeeilt und hatten die Frau aufgesammelt, während Hjaldrist das Häufchen Elend bloß still angestiert hatte. Irgendetwas in ihm hatte sich dagegen gewehrt zu helfen, denn er hatte sich eingeredet, dass er nicht hierhergekommen war, um eine Idiotin zu bemuttern, die sich selbst in eine gehörige Scheiße geritten hatte. Anna war selbst schuld an ihrem Zustand, hatte er sich gesagt. Und auch, WENN der Westländer hätte helfen wollen, hätte er es seines verletzten Beines wegen nicht geschafft die blutige Bewusstlose zu stützen oder gar aufzuheben. Also hatte er all das den besorgten Leuten Bogenwalds überlassen. Allen voran war dies ein Kerl mit braunem Ledermantel und -hut gewesen: Aldoran, Lado’s bester Freund. Er hatte sich knapp als ‘ganz versierter Apotheker’ vorgestellt und sich dann selbstbewusst um Anna gekümmert, als wüsste er ganz genau, was zu tun sei. Als käme es öfter vor, dass die Novigraderin Blut spuckte. Der Mann mit dem geschorenen Haar, dem kurzen Kinnbart und der Brille hatte die Kranke also ins Bett gebracht. Sie hatte ein Zimmer im Obergeschoss von einem der beiden Häuser Lados. Und sie lebte momentan hier, anstatt durch die Weltgeschichte zu ziehen. Nun, nachdem der Hexer des Ortes Hjaldrist aufgeklärt hatte, wusste der Jarl auch warum. Und es schockierte ihn. Ja tatsächlich, er wusste gerade noch immer nicht, was er sagen sollte. Er hatte sich seine Krone längst abgenommen und irgendwo zwischen Nusskorb, Brotresten und Likörflasche lag sie auf der Ablage. Der 29-jährige Undviker fuhr sich seufzend über das Gesicht.

Sich zu distanzieren und verbissen seinen Weg als Einzelgänger gehen? Das passte zu Anna. Mit Dämonen zu paktieren nicht. Zuletzt war die leichtgläubige Alchemistin entführt worden und Vadim, ihr Onkel, hatte nach ihrer Wiederkehr und in einem verlassenen Labor in Verden Aufzeichnungen darüber gefunden. Auch die hatte Lado Hjaldrist gezeigt. Diese Notizen, die noch am Tisch des Mutanten lagen, schilderten zwölf Tage der Folter durch grausame Experimente, Verhöre und Bloßstellung. Methoden, in denen man eine Gefangene halb in einer dunklen Grube verrotten ließ, bis sie wahnsinnig wurde. Die knappen Texte erklärten, dass der, der Anna mit sich genommen hatte, eben jene ‘markiert’ hätte und Lado hatte gesagt, die besagte Chaotin habe ein eigenartiges Mal auf der Brust. Man musste daher nur Eins und Eins zusammenzählen, wenn man wissen wollte, WER da heute durch sie gesprochen hatte. Bei Hemdall, diese Sache war prekär. Das Ganze war eine riesengroße, unheimliche Scheiße und nun, da Hjaldrist hier saß und direkt damit konfrontiert war, konnte er nicht länger gleichgültig tun. Ja, vielleicht wurde er ja weich, doch Anna hatte ihm früher einmal alles bedeutet. Diese Frau hatte ihm in Serrikanien das Leben gerettet und bis zum Schluss stets seinen Rücken gedeckt. Wie könnte er dies nun vollkommen ausblenden, wenn es um ihr Überleben und vielleicht auch das Wohl derer ging, die sie um sich hatte? Die Situation war ERNST und ein einziges, großes Dilemma. Hjaldrist hatte in ein paar Tagen gehen wollen und das mit dem Ziel nie wieder von Anna zu hören. Der Krieger hatte geglaubt eine unsäglich kratzbürstige Möchtegern-Hexerin anzutreffen, die Gift spuckte und ihn beschimpfte, damit er sich aus dem Staub machte. Jemanden, dem er alle Vergehen vorwerfen könnte, um nach einem lauten Streit wieder zurück nach Hause zu segeln. Jemanden, der bei guter Gesundheit war und den man mit gutem Gewissen hinter sich lassen könnte. Aber all das war nicht der Fall. Und jetzt…

Ach, Hjaldrist wusste auch nicht so recht, was nun geschehen sollte. Er saß hier, im Haupthäuschen von Lado, starrte einem Pinnchen süßem Butterlikörs entgegen und versuchte angestrengt nachzudenken. Und so sehr er sich in den letzten Monaten immer weiter von alten Erinnerungen abgewendet hatte, um ein neuer Mensch zu werden, verfiel er jetzt zurück in alte Weisen, in denen er als ‘guter Kerl’ helfen wollte. Ja, er wollte helfen. Und er hatte kein Interesse daran irgendwann in naher Zukunft davon zu hören, dass seine ehemals beste Freundin gestorben war und er nichts getan hatte, um das zu verhindern, obwohl er es vielleicht sogar vermocht hätte. Er hätte sich in dem Fall nur schlimme Vorwürfe gemacht. Hjaldrist würde Persönliches also hinten anstellen und Sachliches nach vorne. Als Jarl musste er das ständig tun und mittlerweile war er wahrhaftig gut darin.

“Sie erinnert sich nicht daran…?”, fragte er in die Stille hinein, die nur ab und an vom Hackgeräusch auf einem Holzbrettchen unterbrochen wurde. Lado hielt mit dem Kartoffelschneiden inne und sah auf.

“Doch.”, sagte der Vatt’ghern “Sie vertraute sich kürzlich Aldoran an und sagte ihm, dass sie wieder weiß, dass sie einen Dämon beschworen hätte und wie. Und dass sie Angst hätte dies Vadim zu erzählen, weil der dann wieder das Recht dazu hätte ihr bitterböse zu sein. Nur Aldoran… er sieht Anna’s Vergehen nicht so eng. Nein, genauer gesagt scheint er der Einzige zu sein, der es gutheißt, dass Anna eigennützig handelte. Aldoran ist ihr dahingehend ähnlich und versteht sie wohl. Und er versucht ihr schon seit unserer Ankunft hier ihre Gewissensbisse auszureden.”

“Das… meinte ich nicht direkt.”, korrigierte der anwesende Undviker, obwohl er sich gerade wundern musste. Der bogenwalder Apotheker hatte es geschafft, dass Anna sich bei ihm ausweinte? Stand er ihr etwa nahe? Diese Fragen beiseiteschiebend, besann sich Hjaldrist wieder auf sein Nachhaken von gerade eben.

“Ich meinte die Folter. Weiß sie noch etwas darüber?”, fragte er und sein Blick streifte die zerknitterten Notizen des fremden Entführers, der vermutlich Trankmischer oder Magier war, auf der Tischplatte. Angewidert tat er das, denn die Aufzeichnungen erregten in ihm nichts anderes, als Ekel.

“Nein. Sie wird unglaublich unruhig, wenn man sie danach fragt. Und sie fängt dann damit an von der Grube zu reden, in die man sie geworfen hat. Manchmal fallen ihr auch die Trankflaschen oder die schöne Stimme des Bastards ein. Oder irgendwelche Röhrchen oder Messerchen.”, entgegnete Lado “Aber mehr nicht. Ich nehme an, das Trauma darüber zwingt sie dazu zu Vergessen.”

“Was nicht unbedingt schlecht ist…”, seufzte der Skelliger jetzt und rieb sich seufzend die Schläfen. Oh, Hemdall...

“Das ist wahr. Anna ist auch so schon sehr nervös und auffallend ängstlich, wenn sie von vielen Leuten umgeben ist. Auch schläft sie immer mit Licht. Aber das wird sich wohl wieder legen… Kaer Iwahell ist noch nicht lange her und sie braucht Zeit.”, lächelte Lado, der sein kleingeschnittenes Gemüse nebenher in einen bauchigen Topf mit Wasser gab. Und als er sich daran machte seinen großen Ofen anzuheizen, betrat Aldoran das Haus. Der Apotheker atmete einmal entnervt aus und nahm sich dann den Lederhut ab, um ihn auf die Garderobe neben der Tür zu hängen. Der Mann, der etwa in Hjaldrist’s Alter sein musste, kam an den Esstisch und ließ sich schwerfällig nieder. Grüßend nickte er dem Jarl zu.

“Schläft sie?”, kam Lado’s Stimme aus der Kochnische.

“Nein.”, machte Aldoran “Aber es ist alles wieder gut. Ich denke, sie will allein sein.”

“Mh.”, machte der gutmütige Hexer zufrieden “Bis der Eintopf fertig ist, darf sie sich verkriechen. Wenn sie dann aber nicht runterkommt, um was zu essen, setzt es was. Ich habe extra für sie Speck besorgt. Es scheint, als sei der momentan das einzige, das sie aufheitert.”

Der beste Freund Lados rollte mit den Augen und gab einen abfällig-amüsiertes ‘Tse’ von sich. Der Jarl, der dem Bogenwalder gegenübersaß, musterte den Mann mit der Brille solange eingehend. Es war irgendwie… eigenartig, wie familiär die Atmosphäre hier war. Lado und Aldoran verhielten sich, als seien sie Anna’s Eltern. Und die sonst so widerspenstige Frau wiederum, ließ das offenbar zu.

“...Wo ist Vadim eigentlich?”, fragte Hjaldrist irgendwann in die Stille hinein “Hieß es nicht, dass er für Anna bürgt? Ein halbes Jahr lange?”

“Er ist gestern Abend los und noch nicht wieder hier.”, berichtete Lado unbekümmert “Vadim wollte einen Auftrag erledigen und nach irgendetwas suchen. Er murmelte was von irgendeiner Knochenmutter. Ja, keine Ahnung.”

“Oder vielleicht sind das nur lasche Ausreden, damit er Zeit mit seinem Mädel verbringen kann.”, grinste Aldoran keck dazwischen “Die haben sich doch sicher in der Spelunke am Hafen ein Zimmer genommen.”

Der kochende Vatt’ghern lachte auf.

“Ähm…”, machte Hjaldrist irritiert, ehe der Apotheker am Tisch ihn schon aufklärte.

“Die kam letzte Woche mit Vadim, Lado und Anna hier an.”, sagte Aldoran und nahm sich die Brille ab, um deren Gläser mit einem Stück seines Ärmels zu putzen “Ist ne Bardin aus Temerien, ganz schön aufgedreht, aber nett.”

“Sie heißt Kasia.”, warf Lado ein “Wir trafen sie auf dem Schiff, das in Verden ablegte, und sie erkannte Vadim sofort wieder. Angeblich rettete sie ihn unlängst davor gehängt zu werden… oder so ähnlich. Und sie scheint auch irgendeine kleine Vorgeschichte mit Anna zu haben, hat sie uns aber nicht erzählt.”

“Tatsächlich?”, der Jarl runzelte die Stirn “Hm.”

“Tja. Naja.”, die Viper zuckte auf dies hin nur die Achseln “Zimmer in der Hafenschenke, Knochenmutter, Aufträge. Sollen sie doch machen, was sie wollen. Ich habe den Greifen auch mein Wort darauf gegeben auf Anna zu achten, also muss Vadim nicht immer hier sein. Nur… dass sie offenbar besessen ist, sollte ihn interessieren. Bisher verhielt sie sich nie so, wie du es vorhin erklärt hast, Hjaldrist. Und es ist besorgniserregend.”

“Was war denn?”, fragte Aldoran unwissend dazwischen.

“Bevor sie anfing Blut zu spucken, war sie kurz wer anderes…”, meinte Hjaldrist und sein Gesicht wurde wieder steinern “Und ich glaube, dass es der war, der sie in Verden entführte. Es wäre jedenfalls naheliegend.”

“Hm. Verstehe...”, entgegnete der Apotheker, als wundere ihn schon gar nichts mehr. Er lehnte sich zurück und sah auf, als Lado Geschirr für alle hinstellte. Sein gusseiserner Topf blubberte am Ofen fröhlich vor sich hin und verströmte einen leckeren Duft nach Gemüse und frischer Petersilie.

“Ich denke, dieser Kerl ist gefährlich…”, sprach der Undviker jetzt weiter “Und das nicht nur für Anna. Er ist ein Wahnsinniger und machte sich irre lächelnd über mich lustig. Und er gab sich absolut fasziniert von Hass. Das ist nicht gut.”

“Mhm. Ja. Finde ich auch. Er muss mächtig sein, wenn er Anna über solch eine enorme Entfernung steuern kann.”, nickte Lado nachdenklich “Nur was sollen wir tun?”

“Ihn finden?”, schlug der Skelliger ganz pragmatisch vor “Und ihn töten.”

“Das hört sich ja fast so an, als ob du helfen wollen würdest.”, sagte der Hexer Bogenwalds und verkniff sich merklich ein Grinsen “Ich hatte nach deinem eiskalten Wiedersehen mit Anna nicht damit gerechnet, um ehrlich zu sein.”

“Hmpf. Ich verabscheue was sie getan hat und mein Mitleid ihr gegenüber hält sich in Grenzen. Aber das heißt nicht, dass ich ignorant dabei zusehen kann, wie sie stirbt oder anderen Leuten gefährlich wird.”, rechtfertigte sich der Jarl entschlossen “Ich bin kein eingeschnapptes Kind, Lado. Ich kann differenzieren. Und ich habe nicht vergessen, was Anna früher einmal für mich war oder für mich getan hat.”

“Hört, hört…”, lachte der Vatt’ghern und lehnte sich mit verschränkten Armen an die Wand. Er lächelte und sein freundlicher Ausdruck sprach von großer Erleichterung.

“Ähm, aha. Was habt ihr Wahnsinnigen also vor?”, fragte Aldoran, der vermutlich gesetzter war, als der Rest hier, dazwischen “Euer Unterfangen wirkt auf mich schon sehr… groß.”

“Man muss Anna in jedem Fall im Auge behalten.”, fand Hjaldrist “Und man muss versuchen etwas über den Verbleib ihres Entführers herauszufinden. Man muss ihm auf die Schliche kommen. Irgendwie.”

Und als der Undviker das aussprach, wurde ihm einmal mehr bewusst, welche Stellung er in Skellige innehatte. Er war kein Abenteuer mehr, der spontan umherreisen und böse Magier suchen könnte. Genauso wenig sollte er noch viel länger von seiner Heimat fortbleiben. Er musste einen Clan anführen und dahingehend hatte er gewisse Regeln und Verhaltensweisen zu beachten. Nur, weil er dabei helfen wollte einen Psychopathen zu finden, konnte er seine Berufung nicht links liegen lassen. Er… müsste auf die Winterinsel zurück. Er war ein Jarl. Und in diesem Moment verfluchte er diesen Umstand, denn mit großer Verantwortung kamen auch klare Grenzen. In gewisser Weise war Hjaldrist heute an sein Zuhause gekettet. Und er könnte nicht hierbleiben. Er müsste nach Undvik zurück. Nur wie könnte er aus der Ferne helfen? Sollte er erfahrene Druiden oder Krieger schicken? Geld vielleicht? Sollte er in seiner Bibliothek nachforschen oder die Greifenschule kontaktieren? Ob Adlet beistehen könnte? Er hatte keine Ahnung. Doch er müsste sich etwas SEHR Gutes einfallen lassen, wenn er gedachte Lado und Vadim zu unterstützen.

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