Kapitel 12

Für Füchse lebt es sich schlecht auf DRakensund

Hunger. Sie hatte Hunger, müsste was zu fressen finden, aber bald. Sie hatte nicht viel erwischt die letzten Tage über. Nur eine kleine Maus. Eine ganz dünne. In der Nähe waren Wölfe gewesen. Sie hatten ein Reh gerissen, nicht alles davon gefressen. Heute Früh. Sie hatte es gehört, gerochen. Jetzt waren die Wölfe weg. Ja, sie waren fort. Gut. Sie müsste schnell sein, hatte Hunger. Sie wollte fressen.

 

Geduckt huschte der schmale Vierbeiner durch das dichte Unterholz, die dunklen Ohren gespitzt und aufmerksam, nahezu geräuschlos. Die Füchsin hörte gut, nahm das vernehmliche Rascheln zwischen den Erlenzweigen über ihrem Kopf wahr. Dort war ein Eichhörnchen. Etwas weiter vorn trotteten zwei Wildschweine tief grunzend durch den feuchten Wald. Sie scherten sich nicht viel um ihre Gesellschaft mit dem dichten, rotbraunen Fell, denn sie war keine Bedrohung für sie. Sie ließen sie passieren und gruben lieber mit den Schnauzen im Schlamm, als sich nach dem kleineren Waldbewohner umzusehen.

 

Hunger. Das Reh war nicht mehr weit, gleich da vorn. Es roch gut. Die Raben waren schon da. Auch die Fliegen. Egal. Die Beute war groß und jeder bekäme seinen Teil.

 

Aus dem verwachsenen Dickicht schlich die Füchsin hervor und obwohl sie davon abgelassen hatte zu rennen, stoben die vier Raben mit den blutigen Schnäbeln auseinander. Sie krächzten verärgert, flatterten hektisch und zogen sich abwartend zwischen die nahen Baumkronen zurück. Der Vierbeiner am Boden vernahm jeden einzelnen ihrer Flügelschläge und zuckte mit den pelzigen Ohren. Er bemerkte selbst eine Rabenfeder, wie sie langsam gen Grund segelte und still im grünen, satten Gras liegen blieb. Es wurde Sommer, die Pflanzen gediehen prächtig und das duftende Moos an den Baumstämmen ringsum leuchtete rötlich in der Abenddämmerung. Eine sanfte, salzige Brise wehte über die Dracheninsel und kündigte eine warme Nacht an.

Die hungrige Füchsin biss zu und riss einen dicken Fleischbrocken aus der Flanke des seltsam verdrehten Rehkadavers, den die Wölfe heute Morgen zurückgelassen hatten. Fliegen surrten laut und es würde nicht lange dauern, bis sich auch die Maden an dem toten Tier laben würden. Die schwarzen Raben würden sich auch sie holen. Genauso, wie sie sich die schmackhaften Augen aus dem Schädel des verendeten Rehs gehackt hatten. Nun aber, war die kleine Füchsin am Zug. Gierig und ausgezehrt fraß sie, steckte die Schnauze tief in die aufgerissene Bauchhöhle des starren Kadavers, kaute, schmatzte, leckte. Und dies so hastig, dass man glauben könnte, sie stehe knapp vor dem Hungertod. Sie verschlang das blutige Fleisch bis zu dem Punkt, an dem sie ein unweites Knacken im Unterholz wahrnahm. Da war ein Rascheln auf der genau gegenüberliegenden Seite; eines direkt hinter ihr. Sofort zuckte das Tier zusammen und sein Kopf schnellte alarmiert in die Höhe. Den Hals reckend und die guten Ohren spitzend, verharrte es an Ort und Stelle. Es mutete gar an, als habe er eine kurze Zeit damit aufgehört zu atmen. Vorsichtig schnupperte die Füchsin und streckte die schwarze Nase in die Luft.

 

Da waren drei. Es knackte. Es raschelte. Der Wind trieb die warnenden Gerüche hierher. Wölfe. Sie hatte nicht gut genug aufgepasst. Pfoten am weichen Waldboden. Große Tiere, sie liefen. Sie müsste weg. Sie könnte nicht bleiben. Die Wölfe kamen näher, sie waren fast da. Sie hechelten und brummten. Zu spät.

 

Das Knurren des ersten Wolfes klang kehlig und glich einem dumpfen Grollen. Der zweite und der dritte kamen ebenso aus dem dornigen Gebüsch; mit funkelnden Augen und gefletschten, spitzen Zähnen. Instinktiv wich die Füchsin zurück, senkte den Kopf weit, doch ließ die anderen drei Vierbeiner nicht aus den wachen Augen. Zwei von ihnen waren grau und struppig, der dritte war schwarz wie die Nacht. Doch sie teilten alle dieselben ockerbraunen Augen, die die arme Füchsin so aggressiv fixierten. Sie hatte es kaum bemerkt, da hatten sie sie bereits eingekreist und brummten bedrohlich ob ihrer erlegten Beute, wegen der sie zurückgekommen waren. Die dumme Füchsin war zu nachsichtig gewesen, hatte sich vom plagenden Hunger dazu verleiten lassen zu überstürzt hierher zu laufen und sich Fleisch aus dem erlegten Reh der Anderen zu stehlen. Ein großer Fehler. Denn nun zogen die Wölfe ihren Kreis enger um das rotbraune Tier, das nicht wusste, in welche Richtung es abweichen sollte. Es sträubte die Nackenhaare in einer vergebenen Geste sich größer machen zu wollen, als es eigentlich war. Und die Füchsin duckte sich, als entkäme sie damit den bösen Blicken der Wölfe und als mache es sie unsichtbar. So weit, dass ihr Bauch beinah den feuchten Waldboden berührte. Aus einem verstummenden Knurren seitens des konfrontierten Tieres wurde ein leises Winseln, als es den buschigen Schwanz mit der weißen Spitze einzog. Es japste, rührte sich am Ende kein Stück weit mehr.

Und dann, ganz plötzlich, durchbrach eine fremde Stimme den frühen Abend. Da war ein Kampfgeschrei, dann ein Stein, der inmitten der hier versammelten Tiere einschlug und den toten Rehkörper beinah am Schädel traf. Noch ein harter Stein kam, dann ein dritter. Wie von der Hornisse gestochen fuhren die Vierbeiner hoch. Die Wölfe drehten die Köpfe aufgeschreckt und rissen die Aufmerksamkeit abrupt von der bemitleidenswerten Füchsin los. Und letztere, anders als die viel größeren, verdutzten Waldbewohner, lief los. Und zwar so schnell sie nur konnte.

 

Sie müsste weg. Schnell. Sie hatte Angst. Die Wölfe wollten sie töten. Da waren Menschen. Sie hatte Angst.

 

So schnell sie ihre dunklen Pfoten tragen konnten, floh die kleine Füchsin. Sie sprang über Stock und Stein, atmete hechelnd, hetzte durch das knackende Unterholz und schlug einen Haken. Knapp vor dem Eingang zu einem halb eingesackten Dachsbau hielt sie so abrupt an, dass sie sich fast überschlug. Sie wollte sich in das schmale Erdloch zwängen, doch schaffte es nicht. Eilig begann sie damit zu graben, versuchte den Kopf noch einmal in den alten, verlassenen Bau zu stecken, grub weiter, versuchte es erneut. Vergebens.

“Anna!”, donnerte die Stimme durch den Wald.

 

Die Menschen kamen. Sie waren schlimmer, als die Wölfe. Viel, viel schlimmer. Sie würden sie töten. Sie musste graben, nein, verschwinden, laufen. Anna. Das Wort kannte sie. Woher? Sie wusste es nicht. Da waren drei Menschen und sie kamen immer näher. Sie konnte nicht weiter graben, musste laufen. Sie würden sie erschlagen.

 

Die Füchsin ließ panisch von dem schmalen Erdloch ab und stob wieder drauflos, sprang angestrengt schnaufend in ein Gebüsch, zwängte sich unter einer Wurzel hindurch, robbte durch das Laub.

“Bleib stehen!”, fluchte einer der Menschen “Zum Teufel nochmal!”

“Märthe! Das Netz!”, rief ein anderer.

Der Vierbeiner mit dem rötlichen Fell wurde von einem Stein an der Schulter getroffen und stürzte. Er jaulte hoch auf, doch war nicht so schwer verletzt, dass er nicht weiter rennen könnte. Die getroffene Füchsin kam daher auf die Pfoten und setzte erneut dazu an hinkend zu laufen, panisch jammernd. Und dann fiel auf einmal etwas auf sie. Ein Fangnetz. Es war so schwer, dass es sie zu Boden drückte und ihr die Möglichkeit nahm sich frei zu bewegen. Das Tier japste ängstlich, knurrte, wälzte sich herum, doch verfing sich dadurch nur noch schlimmer in den Seilen. Die verzweifelte Füchsin biss nach den rauen Tauen, als könne sie jene im Nu durchkauen. Sie wand sich, wie ein Fisch, doch es brachte nichts. Denn schon war einer der Menschen bei ihr, dann ein zweiter. Sie hatte Angst.

“Du hast ein gutes Ziel, Hjaldrist…”, betonte jemand und der Angesprochene packte die laut und erbärmlich winselnde Füchsin durch das Netz am Nackenfell. Auch der Mensch atmete schnell und schwer, weil er hatte laufen müssen. Er war der Jäger und der Vierbeiner würde heute noch sterben müssen. So war es mit den schrecklichen Menschen.

“Ich hatte mal ne Armbrust. Los, Onkel, betäub sie schon, bevor sie nen Herzinfarkt kriegt.”, kommentierte er während der Vierbeiner zappelte und sich zu wehren versuchte. Er schnappte mit den spitzen Zähnen nach dem Menschen auf sich, doch erwischte jenen nicht. Wieder jaulte er, schnaubte aufgerüttelt, hechelte vor Stress. Noch immer klebte ihm Blut vom toten Reh am Maul.

“Märthe, das Mittel, bitte.”, schniefte der eine “Junge, halt sie gut fest.”

 

Ein Tuch. Es stank. Es stach in der Nase. Sie müsste beißen, schnappen. Die Menschen würden es nicht leicht mit ihr haben. Nein! Einer nahm sie zwischen die Knie. Sie konnte sich nicht rühren. Nein! Er hielt ihr die Schnauze zu. Nein! Das Tuch kam näher. Es stank so sehr. Sie wurde auf einmal so müde. Sie konnte sich nicht bewegen. Sie wollte schlafen.

 

Hjaldrist ließ den Kopf der Füchsin erst wieder los, als das im Netz gefangene Tier schlaff am Waldboden lag und nur noch so flach atmete, dass es beinahe so wirkte, als sei es tot. Völlig ruhig lag es da, die Glieder reglos am Boden und das Maul leicht geöffnet, dass die Zunge heraushing. Die braunen Augen des Vierbeiners standen noch halb offen, doch dessen apathischer und leerer Blick verriet, dass er längst weggetreten war und tief schlief. Die Füchsin wehrte sich nicht mehr, hatte diesen Kampf verloren.

“Gut gemacht.”, Adlet klopfte seinem entnervten, schwitzenden Enkel die Schulter, als sich jener langsam erhob und den Vierbeiner am Grund kritisch betrachtete. Der jüngere Skelliger stemmte sich eine Hand skeptisch in die Seite und warf den Blick zu seinem freudigen Onkel hin. Auch Märthe war da und wirkte nicht weniger erschöpft, als ihre beiden Begleiter. Feucht klebten ihr ein paar verirrte Strähnen der kastanienbraunen Haare an der Stirn. Sie wischte sie fort, atmete tief durch und lächelte erleichtert. Ihr Mantel saß etwas schief.

“Noch sind wir nicht fertig…”, murmelte der anwesende Axtkämpfer und wirkte alles andere als beruhigt. Seine schmalen Augen taxierten den älteren Skelliger, seinen Druidenonkel, auffordernd.

“Ja, ja, wir werden ihr ein Gegenmittel geben. Oder wir warten noch ein paar Tage. Ich bin mir sicher, sie wird wieder sie selbst.”, lächelte der tickende Mistelschneider gelassen.

“Sie rennt seit zwei Wochen SO über die Insel!”, Hjaldrist deutete dabei auf den bewegungslosen Fuchs im Fangnetz “Du glaubst doch selber nicht, dass sie von selbst wieder normal wird?”

“Geduld, Geduld!”, mahnte der Onkel bedächtig “Bringen wir sie erst einmal zur Hütte zurück. Und halte die Augen offen, Kindchen. Nicht, dass uns die Wölfe nachkommen. Sie mögen zwar scheu auseinander gelaufen sein und noch etwas zu Fressen haben, doch man weiß ja nie.”

“Keine Sorge.”, warf die liebe Märthe jetzt ein und lächelte hintergründig “Sie werden uns in Ruhe lassen. Gehen wir.”

 

*

 

Als Anna zum ersten Mal zu sich kam, völlig verwirrt und panisch, schrie sie laut und schlug wie wild um sich. Nachdem sie den brummenden Kopf gedreht und die glasigen Augen aufgerissen hatte, erblickte sie rötlich braunes Fell an ihren Armen, schwarzes an ihren Händen und Fingernägel, die aussahen wie spitze Krallen. Die Frau schlug irgendeine fremde Hand weg, die sie festhalten wollte, wand sich herum und fiel. Ohne, dass sie überhaupt verstand, was geschah, landete sie mit der unsagbar schmerzenden Schulter voran am harten Boden, keuchte auf und wimmerte. Sie wusste nicht, wo sie war, wer bei ihr war, was sie war. Sie johlte einfach nur verzweifelt, doch nicht lange, denn viel zu schnell holte sie die Ohnmacht wieder ein.

Als Anna zum zweiten Mal aufwachte, übergab sie sich, denn ihr flauer Magen rebellierte wie er es noch nie zuvor getan hatte. Irgendwer erwischte sie an den Schultern - natürlich auch an der geprellten - und sie gab einen heiseren Schmerzenslaut von sich, bevor sie abermals würgte und röchelte. Doch außer saurer Galle und Speichel wurde ihr zitternder Körper nun nicht mehr los. Sie bemerkte gar nicht, wie sie nach ein paar kehligen Atemzügen wieder einnickte und in ihrem vorhin Erbrochenem liegen geblieben wäre, hätte man sich nicht um sie gekümmert.

Als Anna die matten Augen zum dritten Mal aufschlug, blieb alles ruhig. Das einzige Geräusch, das die stille Nacht durchbrach war ein erschrockener Laut ihrer Kehle, dann das Rascheln ihrer wollenen Decke. Sie setzte sich abrupt auf, sah hektisch um sich und mutete an, als sei sie just aus einem Albtraum hochgeschreckt. Die Alchemistin hörte, wie sich neben ihr jemand leise regte, als schrecke er ebenso aus dem Schlaf hoch. Da, auf einem Stuhl neben dem ungemütlichen Bett, saß Hjaldrist. Ziemlich schief und in sich eingesunken tat er das, was davon zeugte, dass er gedöst haben musste. Anna beachtete ihn zunächst nicht, sondern richtete den schockierten Blick sofort auf ihre nackten Arme. Jene sahen normal aus, menschlich. Da war kein rotes Fell, nur blanke, helle Haut und die Tätowierungen, die sie seit knappen zwei Jahren trug. Flach atmete die irritierte Frau aus, als sich ihre Miene ein wenig entspannte, und sie drehte die Hände langsam, betrachtete sie im Schein einer kleinen Kerze am Nachttischchen. Keine Klauen, kein Pelz. Sie hatte nur schlecht geträumt.

“Na, Fuchs, wieder unter den geistig Anwesenden?”, Rist’s neckende Stimme riss Anna aus ihren seichten Gedanken. Sie hob den Kopf mit den ziemlich unordentlichen Haaren. Die wirre Frisur passte zu ihrem entrückten Blick. Man hörte den Skelliger in dem grünen Rock erleichtert seufzen.

“Meine Fresse, endlich…”, entkam es dem Mann erleichtert und er erhob sich langsam, ächzte leise und streckte sich, dass seine Schultern knackten “Ich dachte, du kämst gar nicht mehr zu dir.”

Die müde Novigraderin, die nicht mehr als ein zu großes Hemd trug und wie belämmert auf dem harten Bett Adlets saß, musterte Rist skeptisch.

“Was?”, fragte sie lasch und wusste noch nicht so recht, was sie mit der eigenartigen Situation anfangen sollte. Ja, was war los? Nachdenklich verengte sie die braunen Augen und fixierte einen wahllosen Punkt neben ihrem Kumpel, zog die Stirn kraus. Also… sie hatte den Absud getrunken, den sie mithilfe Adlets zusammengemischt hatte. Ja, genau. Sie hatte zuerst das Magenmittel genommen, etwas gewartet und sich dann den eigentlichen Trank in den Rachen gekippt. Anna musste daraufhin ohnmächtig geworden sein.

“Du erinnerst dich nicht?”, hakte Rist von der Seite aus nach und sah die Kurzhaarige an, als finge er erst jetzt damit an ihre Verwirrtheit zu verstehen “An kein Bisschen?”.

“Ich habe den Trank getrunken. Und dann bin ich umgefallen.”, murmelte die Kräuterkundige wenig selbstsicher und ihr Freund zog die Brauen weit hoch. Anna musterte ihn kritisch, verzog dann aber ob eines plötzlichen Juckreizes am Kopf das Gesicht und kratzte sich; zuerst an der einen Stelle, dann an einer anderen. Es wurde nicht besser. Der armen Monsterjägerin entkam ein genervtes Stöhnen.

“Moment mal. Hast du etwa Flöhe?”, kommentierte ihr Kollege all das wenig angetan und rümpfte die Nase.

“Was?”, murrte Anna, doch wurde den Gedanken nicht los, dass der Jarlssohn Recht haben könnte. Ja, ganz plötzlich erschien es der wirren Frau so, als jucke es sie am ganzen Körper. Eine ziemlich unlustige Sache, doch Rist fing auf einmal damit an zu lachen. Natürlich tat er das, der Arsch! Anna fluchte leise und verstand die Welt nicht mehr.

“Du hast Flöhe!”, gluckste der hübsche Skelliger belustigt und die pikierte Anna quittierte dies mit einem geworfenen Kissen. Hätte sie die Kraft dafür besessen, hätte sie es dem Deppen bei sich regelrecht um die Ohren gedonnert, dass es nur so geknallt hätte. Doch sie war unerklärlich schwach und daher bekam der Skelliger das daunengefüllte Ding bloß weniger verheerend ins Gesicht, fing es auf.

“Eigentlich logisch. Warum haben wir nicht daran gedacht?”, warf Rist ein und ehe er weitersprechen konnte, maulte Anna dazwischen.

“Was? Logisch? Was redest du da?”, wollte die entnervte Frau ziemlich patzig wissen. Denn im Moment besaß sie bei Weitem keinen so seichten und lockeren Humor, wie ihr Freund. Sie saß da, müde, hungrig und entkräftet, während ihr der Schädel juckte, wie sonst was. Und Rist, der fand das ‘logisch’? Gar nichts war logisch! Was war hier überhaupt los?

“Der Trank, den du genommen hast”, fing der anwesende Undviker dann an und wurde dabei wieder etwas ernster, doch konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen “War eine abgewandelte Form von Onkel’s Vildkaarl-Absud.”

Anna erstarrte nahezu, sah Rist aus geweiteten Augen an und schleichend, aber sicher, kam ihr eine düstere Ahnung.

“Was…?”

“Du bist nur nicht zum Bär geworden, sondern zu einem Fuchs.”, erklärte der wissende Hjaldrist und legte das zuvor geworfene Kopfkissen vorsichtig zu Anna auf das Bett zurück. Dabei näherte er sich so zögerlich, als habe er Angst, die Frau könnte treten oder schlagen. Oder beißen. Wäre in Anbetracht der letzten Tage ja nicht so abwegig gewesen. Anna’s Blick sank auf einen der Arme ihres Kumpels. Jener war dick einbandagiert worden. Gleichzeitig wurde ihr Ausdruck ungläubig und starr, dann finster. Sie schwieg.

“Du bist, nachdem du den Absud getrunken hast, kreidebleich geworden und umgekippt. Wir haben dich danach ins Bett gebracht und Adlet hat dir irgendeine Medizin eingeflößt, die gut für den Kreislauf sein sollte. Am nächsten Morgen warst du fort. Doch deine Kleidung und all dein restlicher Kram waren noch da.”, sprach Rist weiter und ließ sich auf der harten Bettkante der Novigraderin nieder. Er stützte die Ellbogen auf die Oberschenkel, gestikulierte beim Sprechen leicht mit den Händen und sah dabei zu seiner immer entsetzteren Kumpanin hin. Der entrückten Alchemistin war der Mund staubtrocken geworden und sie fand keine Worte.

“Onkel vermutete schnell, dass du dich wohl verwandelt haben könntest. Als wir dich auf der ganzen Insel nicht finden konnten - und wir haben drei Tage lang gesucht - waren wir uns dessen sogar sicher. Wir wussten nur nicht, welches Tier du bist. Märthe meinte dann irgendwann, dass du ein Fuchs seist. Weiß der Teufel, woher sie das wusste. Die Frau ist sehr, sehr seltsam. Aber naja, sie hatte Recht. Wir haben uns also auf die Lauer gelegt und gewartet, weitergesucht. Und dann, eine Woche später haben wir deinen Schlafplatz entdeckt.”, erzählte der Schönling und Anna hörte ihm einfach nur mit halb offenstehenden Lippen zu.

“Im Endeffekt warst du etwas mehr als zwei Wochen lang da draußen. Wir haben es geschafft dich einzufangen. Ich habe dir einen Stein nachgeworfen, getroffen und dich mit einem Fangnetz erwischt.”, erläuterte der Krieger weiter und kratzte sich am Kinn. Seine Ausführung über den Stein erklärte nun auch die schmerzende, bandagierte Schulter der Frau. Von dem Verband ging ein starker Geruch nach Rebis und Talg aus. Zutaten, wie sie für Heilsalben benutzt wurden und die unglaublich gut gegen Muskelzerrungen und Prellungen halfen.

“Du lagst hier dann noch zehn Tage flach, warst ziemlich krank. Aber offenbar bist du endlich wieder über dem Damm, was?”, fragte Hjaldrist froh und Anna blinzelte überfordert. Sie atmete tief aus und ihre braunen Augen wanderten unstet, als sie versuchte all das zu ordnen, was ihr Freund gerade gesagt hatte. Abwartend saß jener nun auf der schmalen Bettkante. Zehn Tage? Hatte der Kerl jene über andauernd hier gesessen und aufgepasst? Die überraschte Nordländerin zog die schmalen Augenbrauen zusammen und verkniff es sich gewaltsam sich mit beiden Händen am juckenden Kopf zu kratzen.

Also, nochmal von vorne: Der grünliche Trank, den sie zu sich genommen hatte, hatte sie zu einem Fuchs gemacht. Sie war abgehauen und war zwei Wochen lang auf vier Pfoten über Drakensund gestreift. Dann, nachdem Märthe die Männer der Insel zu Anna geführt hatte, hatten Rist und Adlet die Verwandelte eingefangen und wieder hierher gebracht… und dann?

“Wie...”, fing die Kurzhaarige stockend an und klang auf einmal ganz kleinmütig “Ich meine… habe ich mich von selbst wieder zurück verwandelt?”

Hjaldrist schüttelte den Kopf sogleich.

“Nein. Onkel hat dir irgendetwas eingeflößt, dass das bewerkstelligt hat. Frag mich aber bloß nicht, was das für ein Elixier war. Ich kenn mich mit dem Kram nicht aus.”, bat der Mann räuspernd. Anna fuhr sich mit verzogenem Mundwinkel über den etwas blassen Nasenrücken und senkte den Kopf dabei grüblerisch.

“Mhm.”, machte sie daraufhin nur. Sie war völlig durch den Wind und bräuchte wohl etwas Zeit, um die so surreal erscheinenden Erzählungen ihres engsten Freundes zu verkraften. Jener schien das auch zu verstehen - zum Glück - und erhob sich jetzt.

“Ich sage Onkel Bescheid, dass du wach bist. Er schläft zwar längst, aber schließlich hat er die Scheiße verbockt. Also soll er aufstehen und helfen.”, brummte der Jarlssohn bestimmend. Dann ließ er Anna für ein paar Augenblicke allein.

 

Kaum eine Stunde später saß Anna, noch immer recht zerstört aussehend, in leichte Leinenkleidung und eine warme Decke gehüllt, am Tisch des seltsam gekleideten Druiden. Hjaldrist hatte jenen tatsächlich aufgeweckt und ihn drängend dazu gebracht etwas zu Essen zu kochen. Es war stockfinster draußen und der Mond stand schon hoch am wolkenverhangenen Himmel. Dennoch wirkte der alte Druide froh; darüber, dass seine ‘Patientin’ und ehemalige Schülerin endlich wieder bei sich war. Der summende Mann stand gerade vor seinem Ofen und haute ein Dutzend Eier in eine alte, verbeulte Pfanne, deren Griff schon rostete. Sein Hähnchenfuß-Hütchen saß beachtlich schief auf seinem Haupt.

“Schön, dass du wach bist, Mädchen. Wir sorgten uns schon um dich.”, sprach Adlet, während er die Eier in seiner Pfanne verrührte. Es roch nach heißer Butter.

“Bestimmt hat dir Hjaldrist schon erzählt, was passiert ist. Mh, das war äußerst interessant.”, flötete der tickende Skelliger und salzte das Rührei, das jetzt schon verführerisch duftete. Anna’s Magen knurrte ganz schön und ihr war regelrecht schlecht vor Hunger. So entkräftet fand sie nicht einmal den Antrieb dazu sich fürchterlich beim unbeschwerten Adlet darüber zu beschweren, dass er das, was passiert war, als ‘interessant’ betitelt hatte.

“Interessant, sagst du?”, maulte Rist dafür dazwischen und die Novigraderin, die sich die Baumwolldecke enger um die Schultern zog, horchte auf.

“Das war eine riesen Kackscheiße!”, schnarrte der jüngere Skelliger verstimmt und hatte damit absolut Recht. Ja, Danke, Rist. Anna musste schwach in sich hinein schmunzeln, als sich der anwesende Druide näherte, um ihr eine Schüssel voll mit Rührei vor die Nase zu stellen. Adlet musterte die Jüngere zufrieden, lenkte den Blick dann aber auf seinen Enkel, der nach wie vor ziemlich aufgebracht wirkte.

“Solche Dinge können passieren, wenn man in der Alchemie experimentiert, Junge.”, schniefte der alte Skelliger neunmalklug. Anna schaufelte sich bereits gierig Eierspeise in den Mund und kratzte sich mit der freien Hand am juckenden Kopf.

“‘So etwas kann passieren’?”, wiederholte Rist die Worte seines viel zu gelassenen Verwandten genervt “Sie hätte draufgehen können! Die Wölfe hätten ihr im Nu den Hals durchgebissen!”

“Umso besser, dass wir sie davor gefunden haben.”, schloss Adlet dieses Gemecker lächelnd. Es war wie ein stilles ‘Halt die Klappe, Junge’. Hjaldrist schien zu verstehen und verschränkte die Arme eng vor der Brust. Das Einzige, das ihm hierzu noch einfiel war ein ungläubiges Kopfschütteln und ein tiefes, unzufriedenes Stöhnen. Denn er wusste, dass es so und so nicht viel brächte herumzumeutern. Adlet war auf seine ganz eigene Art und Weise stur. Man würde gegen ihn und seine geliebten Tränke anreden, wie gegen eine Wand. Eine schniefende Wand.

 

Es blieb in dieser ruhigen Nacht nicht nur beim Essen. Denn natürlich hatte Hjaldrist seinem Onkel noch die Erkenntnis über die Flöhe seiner geplagten Freundin dargelegt, während jene den Boden zu ihren Füßen unwohl berührt betrachtet hatte. Denn die Angelegenheit war Anna verdammt peinlich, ganz klar. Flöhe zu haben war schließlich ein Zeichen dafür unsauber zu sein, nicht wahr? Die Kräutersammlerin aber, die wusch sich regelmäßig und achtete auf sich. Nur daran zu denken, dass da kleine Viecher auf ihr herumkrabbelten und sie bissen, ließ sie angeekelt erschaudern. Adlet jedoch, der hatte das mit einem simplen Schulterzucken hingenommen und seinen Enkel dazu angewiesen den Waschzuber aufzustellen. Das inmitten des Kräutergartens hinter dem Haus, denn schließlich war IN der Hütte ja kein Platz dafür und die Nacht war äußerst lau. Man würde sich den Arsch im Freien also nicht abfrieren, denn es wurde Sommer.

“Ich habe noch eine Mixtur aus Hundspetersilie und Hopfendolden übrig. Wir mischen sie in das Badewasser. Außerdem kannst du sie dir auch getrost unverdünnt über die Haare schütten, Mädchen.”, belehrte Adlet Anna, die nervös abwartend im Gras stand und den Älteren skeptisch musterte. Genauso kritisch linste sie zu Rist hin, der im Hintergrund Wasser schleppen musste, es aber ohne Muh und Mäh tat. Augenscheinlich war es ihm wichtig zu helfen und obwohl er es nicht aussprach, schien er heilfroh darüber zu sein, dass Anna wieder sie selbst war. Denn er war ganz geschäftig dabei mit Kübeln voller Wasser herbeizulaufen.

“Muss… das jetzt sein...?”, stammelte die Novigraderin und riss sich am Riemen, um sich nicht am Knie zu kratzen. Gleichzeitig juckte ihr der Rücken wie blöd.

“Du willst doch nicht mit den Flöhen ins Bett?”, schniefte Adlet ernst “Du bekommst damit doch kein Auge zu.”

Da hatte er Recht. Anna senkte den Blick störrisch, doch schüttelte den kurzhaarigen, wirren Kopf dann bald und gab nach. Der Onkel lächelte zufrieden.

“Und glaube mir. Eine einzige Anwendung meiner Mixtur genügt und du bist die Plagegeister los!”, versprach der erfahrene Trankmischer stolz. Er klopfte der Frau lieb die unverletzte Schulter und drückte jene zuversichtlich.

“Solange das Zeug keinen Floh aus ihr macht!”, konnte man Rist vernehmen, als er einen weiteren Eimer Wasser aus dem nahen Bach in den kleinen Zuber kippte. Er schien seinem Onkel nach wie vor böse zu sein. Doch Adlet lachte nur amüsiert.

“Nein, nein!”, meinte der Druide glucksend und rückte sich sein verqueres Hütchen zurecht. Dann drückte er Anna sein halbvolles Fläschchen Badezusatz in die Hand.

“Rufe einfach, wenn du etwas brauchst, Mädchen.”, meinte er noch nett. Dann verschwand er zusammen mit Rist ins Haus mit dem Strohdach und zog den Vorhang des Fensters, das gen Kräutergarten zeigte, zu. Man konnte sagen was man wollte, doch der verwirrte Druide verstand wohl, dass es Frauen nicht besonders gern mochten beim Baden beobachtet zu werden.

 

“Ey.”, machte Rist auffordernd und riss die dösende Anna damit aus einem leichten Schlaf. Sofort fuhr sie zusammen und schreckte hoch, verschluckte dabei beinah das bittere, bläulich gefärbte Wasser im Zuber. Es platschte, als die Frau zurückzuckte und sich sofort gerader hinsetzte.

“Was…”, entkam es der Kurzhaarigen lahm und sie blinzelte schlaftrunken. Sie musste eingenickt sein. Das Badewasser war zwar nicht warm, doch wegen der Juckreiz-lindernden Wirkung durchaus angenehm. So sehr, dass die nach wie vor kraftlose Anna tatsächlich im Badetrog lehnend eingedöst war. Und das mit dem Wasser bis zum Kinn. Nun aber, war sie hellwach, denn sie realisierte, wie sich Hjaldrist auf den schmalen Rand der hölzernen Wanne stützte, um die Alchemistin mit den nassen Haaren auffordernd anzusehen. Anna verschränkte beide Arme sofort schützend vor der Brust und zog die Beine an, um möglichst alles zu verstecken, das man ihr wegstarren könnte. Dann wurde ihr zuvor noch so verwirrter Ausdruck bissig.

“He!”, machte sie anschuldigend und konnte sich ein ‘Schau weg!’ sparen, denn ihr schlauer Kumpel aus Undvik wusste natürlich gleich Bescheid. Nur ein ziemlich dummer Idiot hätte jetzt nicht gewusst, was die überspitzt ablehnend-scheue Körpersprache der konfrontierten Frau sagte. Rist rollte, sich kaum einer Schuld bewusst, mit den dunklen Augen und sparte sich einen Kommentar.

“Du bist eingeschlafen.”, schnaufte er ohne auch nur ansatzweise wegzusehen “Ich habe schon geglaubt, das Mischzeug von Onkel hat dich zum Fisch gemacht. Komm endlich rein, sonst wachsen dir wirklich noch Schwimmhäute.”

“Wa-was?”, keuchte die unbekleidete Novigraderin im Wasser mit unverändert verärgerten Ausdruck. Die zähe Abgekämpftheit, die ihr aber nach wie vor in den Gliedern steckte, ließ sie dabei ein klein wenig dümmlich aussehen.

“Ich komme erst raus, wenn du wegsiehst!”, beschwerte sie sich und war froh über die dunkle Nacht. Im fahlen Mondlicht und dem Schein ihrer Lampe am Boden konnte man wenigstens nicht erkennen, dass sie so rot anlief, wie eine Tomate. Schon seltsam. Schließlich hatte sie sich mit diesem Kerl hier schon genug Zimmer oder sogar Betten geteilt, wenn letztere denn breit genug gewesen waren. Doch so war sie eben. Obwohl sie zwischen ruppigen Männern aufgewachsen war, war sie stets darauf bedacht vor jenen nicht viel Haut zu zeigen. Eher verhielt oder kleidete sie sich selbst, wie ein Kerl, anstatt auch nur einen freien Oberschenkel oder ein zu tiefes Dekolletee blitzen zu lassen. Ein verkrampftes Verhalten, das von ihrer strengen Erziehung herrührte. Früher, da hatte man stets penibel darauf geachtet, dass sich Anna nicht von irgendwelchen schleimigen Typen oder untervögelten Perversen abschleppen ließ. Man hatte ihr eingebläut, dass es schlecht sei, wenn sie ein Mann so sah, wie sie gerade eben war: Nackt. All dies saß ihr also so unterbewusst im Hinterstübchen, dass sie genau in diesem Moment richtig, richtig zornig wurde. Dies, obwohl Hjaldrist, ein sehr guter Freund, nicht einmal etwas Schlimmes tat oder anstößige Dinge sagte. Der Jarlssohn sah der Frau im kleinen Badezuber einfach nur etwas kritisch entgegen und wollte, dass sie endlich ins Bett ging und sich ausruhte. Mehr nicht. Es war nett gemeint, dennoch fauchte Anna herum.

“Ich… ich kenne euch Typen doch! Ich weiß genau, was ihr euch in solchen Situationen denkt, jawohl! Und was in eurem Kopf vorgeht!”, beschwerte sich die aufgerüttelte Novigraderin, als seien ihre Worte spitze Waffen. Die Falten auf Rist’s Stirn wurden immer tiefer.

“Ihr schnappt jede Gelegenheit beim Schopf, um uns Frauen anzugaffen! Und wenn wir nicht aufpassen, dann-”

“Jetzt halt mal den Rand, Flohbeutel.”, unterbrach der ziemlich schlecht dargestellte Skelliger und die Hexerstochter, die ihre Anklagen gemotzt hatte, als habe sie sie auswendig gelernt, hielt inne.

“Glaubst du etwa, ich hätte noch nie eine Frau nackt gesehen? Oh, ich bitte dich.”, konterte der anwesende Krieger nur locker. Ein verständliches Argument, wenn man bedachte, wer und was er war. Bestimmt waren ihm die Mädchen auf Undvik früher zu Füßen gelegen. Und man musste ihn sich ja nur ansehen. Sicherlich war er DER Lieblingskunde in jedem Bordell, denn er war hübsch und gepflegt.

“Außerdem habe ich dich längst nackt gesehen. Nachdem du dich zurückverwandelt hast, nämlich. Tiere haben keine Klamotten an, weißt du.”, schnaubte Hjaldrist “Ich habe dir sogar alle zwei Tage ein frisches Hemd angezogen, als du besinnungslos warst. Damit du dich nicht angegafft fühlst, wenn du aufwachst.” 

Auf diese Aussage hin machte sich eine unangenehme Stille zwischen den Anwesenden breit. Anna schaffte es plötzlich nicht mehr ihrem schmerzhaft ehrlichen Kumpel in die Augen zu sehen und wäre am liebsten ganz tief im kalten, bitteren Badewasser versunken. Sie presste die Lippen schmal aufeinander und die schlechte Atmosphäre war geladen und dick. Oh je.

“Und außerdem”, setzte der Skelliger dann auf einmal fort, als müsse er sich rechtfertigen, und brach damit das stichelnde Schweigen “Bist du nicht mein Typ. Du bist so flach, wie ein Brett und siehst aus wie ein Kerl. Also scheiß dich nicht ein.”

Anna’s braune Augen verengten sich wieder etwas und sie richtete jene zurück auf ihren Freund. Da war es wieder, das böse Starren. Und sie wollte schon empört nach Luft schnappen. Rist grinste leicht, als er das mitbekam und nickte dann recht unbeschwert in die Richtung des schiefen Hauses. Denn er hatte gewonnen, so schien es.

“Und jetzt komm rein. Du gehörst ins Bett.”, mit diesen Worten wandte sich der Krieger ab, doch ging nicht, sondern wartete. Denn er fürchtete wohl, dass es die schwache Anna nicht mehr allein aus dem Badezuber und in die alte Hütte schaffen würde. Ungeduldig wippte er mit einem Fuß auf und ab und hielt den Blick demonstrativ weg, in die Ferne, gerichtet. Die sprachlose Frau im Badewasser starrte noch immer und konnte sich trotz allem nicht des Zorns erwehren, der ihr die Eingeweide fest zusammenknoten wollte. Denn sie… sie fühlte sich beleidigt und bloßgestellt. Sehr sogar. Und gleichzeitig fühlte sie sich zum ersten Mal richtig gekränkt, weil sie jemand als zu burschikos betitelt hatte. Ja, es stimmte sie außerordentlich enttäuscht, dass Rist gemeint hatte, sie sei unattraktiv. Denn Anna war nicht unattraktiv. Oder…? Grummelig senkte die müde, nasse Novigraderin den Blick, fasste sich prüfend an die Brust. Und sie war auch kein Brett! Also... ein Bisschen vielleicht. Aber sie sah NICHT aus, wie ein Mann! Rist war gemein!

 

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