Kapitel 62

Von Monstern, die Schweine essen

“Jetzt weiß ich, was Flaut meinte…”, brummte Anna unzufrieden, als sie neben Rist anhielt und finster vor sich hin sah. Tatsächlich hatte man die Abenteurer fliehen lassen und schwerterrasselnd über sie gelacht. Eine Tatsache, die der Alchemistin ganz und gar nicht passte. Sie hasste es als Idiotin dargestellt zu werden.

“Dieser Graf ist ein Monster.”, meinte sie.

Man hörte den Jarlssohn bei Anna seufzen und auch er rieb sich das Kinn mit kritischem Blick. Albion, der froh darüber war, dass sie nun, vom Dorf des Kannibalen entfernt, anhielten, stöhnte gequält. Er eilte den Büschen entgegen, die unweit ein paar Bäume säumten, und übergab sich hastig zwischen das Blattwerk. So, als habe er etwas in sich, das er so eilig als möglich loswerden wollte. Verständlich, wenn man bedachte, was er heute gegessen hatte… oder eher: wen.

“Was sollen wir machen…?”, fragte die Giftmischerin dann, als sie Blickkontakt zu ihrem besten Freund suchte “Wir können dieses Arschloch nicht so weitermachen lassen. Und wir müssen Goldlocke befreien. Ich will ungerne gegen die Schwarzen verlieren.”

Hjaldrist nickte zustimmend, als er mit seinem Pferd dastand, das er am Halfter festhielt. Apfelstrudel schnaubte nervös und schien zu spüren, dass sein Herr unruhig war.

“Wir müssen tatsächlich was gegen diesen Mann tun. Also den Grafen. Ich glaube ja noch immer nicht, was dort passiert ist…”, gab der Schönling geschlagen zu und nickte einmal gen Dorf des Hungrigen Bastards. Es lag nurmehr klein vor dem Horizont und schien die Abenteurer auszulachen.

“Nur was?”, wollte Rist wissen und sah Anna ernst an “Wir können schlecht zu zweit dort rein marschieren und einen Kampf anzetteln. Den Grafen hinterrücks auszuschalten geht auch nicht. Wir sind keine Meuchler und man würde uns sehr schnell entdecken. Womöglich sogar, bevor wir die Burg dieses Ungeheuers erreicht haben.”

“Das ist wahr.”, entgegnete die Hexerstochter nickend und zog die Brauen zusammen. In ihrer Situation und nach dem Grauen, das sie in der letzten Stunde mit ansehen hatten müssen, wunderte es sie nicht einmal, dass ihr sonst so vernünftige Kumpel tatsächlich darüber nachdachte den Grafen zu töten. Denn jener war nicht nur ein Mörder; er war ein richtiges Monstrum und eine Gefahr. Einfach so hatte er auf Wehrlose geschossen und dabei drei Leute getötet. Mit einem wahnsinnigen Lachen auf den spröden Lippen und dem Hunger nach Menschenfleisch. Welch eine schlimmere, verabscheuungswürdigere Perversion konnte es auf dieser Welt geben? Es war krank. Wenn man den Hungrigen Grafen nicht eliminieren würde, würde er sein morbides Spielchen weiterspielen, immer weiter, und viele unschuldige Bürger würden durch seine schwieligen Hände sterben. Er würde weiterhin dreckige, verruchte Söldner für ihre Dienste bezahlen und seine Opfer verspeisen. Uh. Anna wurde es übel, wenn sie nur daran dachte und sie war heilfroh darüber nichts von der vollbeladenen Tafel des vermeintlichen Adeligen gegessen zu haben. Anders als Albion, der sich im Hintergrund noch immer die Finger tief in den Rachen steckte und vernehmlich würgte. Die Alchemistin schauderte und verschränkte die Arme unwohl vor der Brust. Sie selbst hatte sich den Würgereflex längst abtrainiert, damit niemand sie dazu bringen könnte Dinge auszukotzen, die sie bewusst geschluckt hatte. Gifte zur Immunisierung zum Beispiel. Es wäre für sie also schwer geworden Menschenpasteten und Zweibeiner-Klöße hochzuwürgen. 

Apfelstrudel nestelte ungeduldig am Kragen Rists herum und der Skelliger streichelte seinem Ross die weichen Nüstern.

“Vielleicht sollten wir noch einmal mit Flaut reden. Damit wir Unterstützung von dessen Leuten bekommen.”, sagte der Jarlssohn etwas kleinlaut, weil er wohl keine andere und bessere Idee hatte. Anna lachte abfällig.

“Du glaubst doch nicht etwa, dass DER uns hilft? Schließlich hat er uns angeworben-... nein, erpresst, weil er keine eigenen Soldaten entbehren kann und der Hungrige Graf auf seiner Prioritätenliste nicht ganz weit oben steht.”, wandte die Frau richtig ein.

“Aber was sollen wir deiner Meinung nach tun? Wir müssen Goldlocke frei bekommen, sie ist unsere Freundin. Und abgesehen davon habe ich kein gutes Gewissen, wenn ich weiß, dass wir den Grafen einfach so weitermachen lassen. Er mordet völlig blind.”

Die Brauen der anwesenden Novigraderin hoben sich ein Stückchen weit an. Es war schon lustig, dass Rist Goldlocke als Freundin bezeichnete. Klar, sie alle reisten jetzt schon länger miteinander und verstanden sich auch gut. Nur Anna, die betitelte niemanden so schnell als Freund. Hjaldrist war ihr Freund. Ravello befand sich auf einem guten Weg dorthin. Aber der Rest? Das waren bloß gute Bekannte. Für die würde die Kurzhaarige nicht durchs Feuer gehen und sie würde ihr eigenes Leben nicht ohne zu zögern für sie riskieren. Sie würde den Kopf nicht bedingungslos hinhalten, wenn die Artisten dafür freikommen würden. Für Hjaldrist schon. Gerne versuchte sie also Aya Goldlocke aus den Fingern Flauts zu befreien, doch würde es zu gefährlich werden, würde sie diesen Plan aufgeben.

“Hmm…”, machte Anna und überlegte, sah fort und nachdenklich in die Leere. Albion beruhigte sich allmählich wieder und ließ sich völlig fertig und im Schneidersitz auf den Boden sinken. Er stützte den schweren Kopf auf seine Hände.

“Uns fällt schon noch was ein…”, antwortete die Braunhaarige ihrem Gefährten dann zögerlich “Gehen wir erst einmal zu den anderen zurück und reden dann in aller Ruhe.”

 

“Was ist passiert?”, Linda kam dem Dreiergespann aufgebracht entgegen, als sie den blassen Albion erkannte. Der geräderte Halbelf ging voran, während ihm Anna und Hjaldrist in das Lager vor Alt-Vizima folgten. Und während sich letzterer daran machte sein braunes Pferd zu den anderen Vierbeinern zu stellen, gesellte sich die Novigraderin im Bunde zu den anderen. Linda, mütterlich wie eh und je und mit bunt bemaltem Gesicht, erfasste den entnervten Albion an den Oberarmen und sah ihn ernst musternd an. Auch die beiden Halblinge, Igold und Frobert, eilten herbei, um zu sehen, woher der Tumult rührte. Mia und deren Vater folgten und als Rist bei der Gruppe ankam, waren alle am kleinen Platz zwischen den farbenfrohen Zirkuskarren versammelt.

“Wir waren bei dem Grafen, den die Nilfgaarder tot sehen wollen.”, fing Anna gleich an, um die Truppe zu erleuchten. Sofort fielen alle aufmerksamen Augen auf sie.

“Und?”, drängte Frobert aufgeregt.

“Und er hat sich als Psychopath herausgestellt. Er hat seine eigenen Leute getötet und Menschenfleisch gegessen.”, meinte die Kurzhaarige und schüttelte den Kopf ungläubig. Ein Raunen ging durch die Anwesenden.

“Menschenfleisch…?”, fragte Mia entgeistert und sah zwischen Albion, Anna und Hjaldrist hin und her.

“Ja. Und er hat es uns sogar angeboten, ohne, dass wir wussten, was es war.”, erzählte der Jarlssohn “Aber nur Albion hat davon gegessen.”

“Ach du meine Güte!”, keuchte Linda nun, die den besagten Halbelfen noch immer festhielt und entgeistert starrte. Besorgt betrachtete sie das Spitzohr und schien zu verstehen, warum der arme Kerl dermaßen bleich aussah.

“Dieses Monster…”, stöhnte Albion “Er hat die Leute des Dorfes mit diesem verdorbenen Essen angelockt und dann mit einer Armbrust auf sie geschossen… einfach so. Als sei es ein Sport.”

Die Schwester Mias starrte den braunhaarigen Feuerkünstler fassungslos an. Sie war die erste, die sich nach einem folgenden, ausgedehnten Schweigen aus ihrer ungläubigen Starre löste und das Wort ergriff.

“Kommt mit ans Feuer. Albion, Anna, Hjaldrist. Ihr könnt gerade sicher ein Pinnchen Schnaps vertragen. Oder zwei.”, kommentierte die Langhaarige und sah zu den Abenteurern auf, nickte einladend gen Lagerfeuer.

“Gute Idee…”, seufzte Anna “Wir müssen uns überlegen, wie wir gegen diesen wahnsinnigen Graf vorgehen wollen. Wir wollen ihn nicht so weitermachen lassen.”

Die Frau folgte Linda und Albion, um sich zu setzen. Rist war neben ihr, wurde auf dem Weg aber noch von der sorgenvollen Mia aufgehalten.

“Alles gut mit dir?”, wollte die Träumerin mit gesenkter Stimme wissen, als die Hexerstochter beiläufig zu ihr und dem Undviker zurücksah. Die kurzhaarige Elfe hatte die Hand auf den Arm des Kriegers gelegt und sah ihn voller Sorge an.

“Hm?”, machte Rist schlicht “Ja. Jedenfalls geht’s mir besser als Albion.”

“Gut.”, lächelte Mia auf diese Versicherung hin, zögerte dann und nahm die Finger wieder vom Ärmel Hjaldrists. Anna runzelte die Stirn und wartete darauf, dass die beiden zu ihr aufschlossen, um mit ihnen zum Feuer des Lagers zu gehen. Dort angekommen setzte sie sich schwerfällig hin und nahm erst einmal einen Schluck Schnaps entgegen, den Linda ihr reichte.

“Goldlocke ist noch immer in der Gewalt der Nilfgaarder.”, fing Rist an, als er sich neben seiner besten Freundin niederließ “Und Flaut wird sie nicht freigeben, ehe der Hungrige Graf tot ist. Also brauchen wir einen Plan.”

“Tse…”, hustete Albion nach seinem dritten Pinnchen schnell hinuntergekippten Wacholderschnapses “Diese Schweine. Alle beide.”

Und während der ernste Hjaldrist zustimmend nickte, sah Anna auf. Ihre Miene lichtete sich, als ihr ein plötzlicher, genialer Einfall kam. Schweine. Ja, die könnten die Lösung für ihr Problem sein!

“Ja, natürlich!”, machte die Frau in der rot-schwarzen Jacke und zog damit jegliche Aufmerksamkeit auf sich “Schweine!”

Es erschien wirr und viele der Anwesenden zogen die Stirne kraus, als Anna die Hände ihrer guten Idee wegen aufeinander schlug und damit anfing schief zu grinsen.

“Der Graf hat nicht nur Menschen gegessen!”, erinnerte sie sich “Er hat gesagt, dass er oft auf Schweine zurückgreift, weil diese so wie Menschen schmecken. Und dass sie die einzigen Tiere sind, die er isst.”

Albion würgte seiner Erinnerungen wegen leise, als er dies hörte.

“Ja… und?”, warf Rist ein, als wisse er nicht, was er von den Äußerungen seiner Kollegin halten sollte. Er saß nah neben Anna, sein Knie berührte dabei das ihre. Doch es störte sie nicht. Abwartend sah der Dunkelhaarige die Alchemistin an und seine Augen schienen sie durchblicken zu wollen.

“Wolfsbann geht ungeheuer schnell in den Blutkreislauf über. Doch nur für Menschen ist das Gift tödlich.”, sagte Anna und ihre Augen suchten den irritierten Rist, als erführe sie gerade einen kleinen Triumph.

“Wolfsbann?”, fragte der Mann, der nicht viel von Alchemie verstand.

“Das Zeug von letzter Woche.”, meinte die Monsterjägerin bedeutsam und erinnerte damit an einen kleinen Vorfall, an dem ihr Kumpel ihr hatte beistehen müssen, weil sie Blut gespuckt hatte. Sie hatte zu viel von dem besagten Kraut in ihre tägliche Giftmixtur gemischt und ihr Magen hatte dementsprechend reagiert. Sie hatte sich übergeben und war dann ohnmächtig geworden. Eine gesalzene Ohrfeige hatte sie sich kassiert, nachdem sie wieder zu sich gekommen war, doch im Vergleich zu anderen Leuten war Anna des Giftes wegen natürlich nicht gestorben. Sie war mittlerweile zu immun und ihre Tränke zu niedrig dosiert, um ihr die Hufe hochreißen zu können.

“Oh.”, machte Hjaldrist, als ihm ein Schatten über das Gesicht huschte. Und er verstand allmählich, während die restliche Belegschaft verwirrter nicht sein konnte.

“Also… füttert man Schweine mit Wolfsbann, dann werden sie vielleicht etwas träge, aber nicht mehr. Das Gift braucht an die drei Tage, um wieder aus ihrem Kreislauf zu verschwinden.”, fing die wissende Novigraderin an und gestikulierte begeistert. Rist sah sie solange mit gemischten Gefühlen an und so, als frage er sich, ob Anna es schon einmal versucht hatte ein armes Schwein zu vergiften. Ja, das hatte sie. Und nicht nur Schweine. Es hatte zu ihrer Ausbildung gehört und auf Kaer Morhen experimentierte man auch regelmäßig an Ratten herum.

“Das Gift wird nicht neutralisiert, indem es Hitze ausgesetzt wird. Man findet es im Blut des Schweines und auch in manchen der Eingeweide, wie der Leber zum Beispiel.”, erzählte Anna weiter und Hjaldrist’s Ausdruck erhellte sich einen Deut weit.

“Du willst den Grafen vergiften, indem du seine Schweine vergiftest, die er isst.”, erkannte der kluge Mann endlich richtig und die Kämpferin nickte zufrieden.

“Ich habe Wolfsbann da. Wir müssten das Zeug nur zermahlen, etwas verdünnen und dann könnten wir es den Schweinen ins Futter geben.”, schlug Anna vor.

“Was, wenn jemand anders sie isst?”, wollte der Jarlssohn wissen.

“Hast du die armen Leute des Dorfes gesehen? Bevor der Graf denen etwas von seinem fetten Schweinefleisch abgibt, essen die doch Grünzeug und die dürren Hühner.”, schätzte die Hexerstochter “Und selbst, wenn er wieder eines seiner ‘Festessen’ abhält, wird er sterben, bevor die ausgehungerten Dörfler überhaupt in seine Burg kommen. Wolfsbann wirkt schnell, falls du dich erinnern kannst.”

“...das stimmt.”, murrte Rist und schenkte seiner Freundin einen anschuldigenden Blick. Sie ignorierte das.

“Der Graf wird also umkippen und sterben, ehe er diese Margerete schicken kann, um die Glocke zum obskuren Festmahl zu läuten.”, versicherte die Alchemistin und lächelte schmal. Ihr Gegenüber mutete noch ein wenig unsicher an, doch man bemerkte, wie der Plan den Grafen über vergiftete Schweine zu töten, auch anfing ihm zuzusagen. Natürlich waren weder er noch Anna Assassinen oder dergleichen. Nie im Leben hätten sie sich dafür anheuern lassen einfach nur blind für Geld zu morden. Doch der Fall rund um den Kannibalen nahe Vizima war anders. Der fette Graf war grausam, tötete Männer, Frauen und Kinder und suhlte sich dabei in Blut und Selbstverliebtheit. Er war eine große Gefahr und mit ihm auch seine kleine Privatarmee. Umso eher er starb, desto besser, fand Anna. Und mit seinem Tod käme auch Goldlocke wieder frei.

“Aso gut.”, entkam es Hjaldrist dann entschlossen “Wann tun wir es?”

“Ich würde sagen sobald es geht...”, antwortete die Novigraderin ihm gegenüber sogleich und atmete durch “Ich bereite das Gift vor. Und heute Nacht könnten wir theoretisch schon los. Bestimmt finden wir die Schweineställe des Dorfes von diesem Arschloch bald. Die sind meistens nicht zu überriechen.”

“Naja, aber dort stinken nicht nur die Viecher…”, brummte Rist und rümpfte die Nase angewidert “Hast du gesehen, wie die die Kacke aus den Fenstern gekippt haben? Das war wie in der schlimmsten Gosse.”

Anna nickte und obgleich sie die Erinnerung an den angesprochenen, verkommenen Ort abscheulich fand, musste sie leise lachen. Selten aber doch schien bei ihrem besten Freund das Adelskind heraus. Gerade, wenn es um ungepflegte Leute oder Orte ging, konnte man bemerken, wie es ihm schneller einen angewiderten Schauer über den Rücken jagte als Anna, die dahingehend mehr gewöhnt war. Sie klopfte ihm brüderlich den Rücken.

“Mit Glück müssen wir nur noch einmal dorthin. Dann sind wir den Grafen los und haben Goldlocke wieder zurück. Hoffen wir auf das Beste.”

 

II

 

Es war nicht schwer gewesen die Schweine des Hungrigen Grafen zu vergiften. Natürlich mochte dieser vermeintliche Adelige den Gestank nach Ställen nicht in der Nähe seiner Burg wissen und daher befanden jene sich weit am Rand von dessen Dorf und außerhalb der Überwachung durch die vielen Söldner. Es fühlte sich schon fast dämlich an, so glatt war es vonstatten gegangen verdünnten Wolfsbann in die Futtertröge der grunzenden Vierbeiner zu kippen. Das einzige Hindernis war der große, zottelige Hund des Hofes gewesen, doch Hjaldrist hatte sofort einen guten Draht zu jenem gefunden und das Tier als Freund gewonnen. Ja, tatsächlich. Die zweckmäßig dunkel gekleidete Anna hatte sich ein lautes Auflachen verkneifen müssen, als der Skelliger den vermeintlichen Wachköter flüsternd zum Stöckchenfangen animiert und dies auch noch geklappt hatte. Also hatte sie bei der wagemutigen Nacht-und-Nebel-Aktion ungehindert in die kleinen Ställe gelangen können, während der Jarlssohn mit der dummen Töle gespielt hatte. 

Nun, da kamen die Abenteurer schon wieder zurück in das Lager vor Alt-Vizima und freuten sich über ihren kleinen Sieg von heute Nacht. Die anderen schliefen längst und nur Igold war noch wach, um am kleinen Lagerfeuer zu sitzen und die Augen nach möglichen Gefahren offen zu halten. Man wusste ja nie, was vor der Stadt passierte. Es gab hier keine Patrouillen der Soldaten Vizimas, dafür aber genug wilde Tiere und auch Ertrunkene, die Anna nicht zu weit entfernt am See gesichtet hatte. Besser also, es hielt hier stets jemand Wache, um die schlafende Belegschaft zu alarmieren, sollte Gefahr drohen.

“Oh, endlich… ihr seid wieder da.”, erkannte der matte Halbling am Lagerfeuer erleichtert. Er sah ziemlich müde aus.

“Mhm. Du kannst dich hinlegen. Ich bleibe wach.”, versicherte Anna, als sie näher trat.

“Ist alles gut gelaufen?”, wollte Igold wissen, als er sich schwerfällig erhob und sich streckte, dass seine Schultern knackten.

“Ja, ziemlich gut sogar. Jetzt heißt es nur noch warten.”, warf Rist ein und legte seine Waffe ab “Alles lief so, wie wir es abgesprochen hatten.”

“Sehr gut.”, lächelte der Halbling und nickte dann zum Gutenachtgruß “Bis später.”

“Gute Nacht.”, wünschte Anna und auch der Undviker im Bunde winkte knapp, ehe er damit anfing nach seinem Trinkkrug aus Zinn zu suchen. Neben dem flackernden Feuer stand ein bauchiger Kessel, in dem sich noch warmes Wasser befand. Man könnte also Tee kochen. Das war gut, denn die Nacht war außerordentlich klamm.

“Du bleibst auch auf?”, hakte Anna beiläufig nach, als sie sich den Waffengurt abschnallte und sich die dicken Lederhandschuhe auszog, um sie gegen wärmende Wollstulpen einzutauschen. Ihre braunen Augen fielen auf ihren Kumpel, der den Wasserkessel über das knisternde Lagerfeuer hing und sich dabei beinahe verbrannte. Der Mann nickte und warf noch zwei Scheite trockenen Holzes in die Flammen. Viel war davon nicht mehr da, man müsste morgen neues sammeln.

“Was denkst du… wie lange wird es dauern, bis der Graf stirbt?”, fragte Rist nach und sah von seiner Beschäftigung auf. Das Feuer warf einen orangen Schein auf sein Gesicht.

“Hm? Ich weiß nicht…”, gab Anna zu, als sie sich auf einen der wenigen Strohballen niederließ, die nahe bei den Flammen lagen. Später, da würden diese den Pferden als Futter dienen, doch gerade, da waren sie bloß Sitzgelegenheiten. Sie sah fort, um in ihrer Gürteltasche nach Resten von Schmerzmittel zu suchen. Einmal alle vier Wochen wünschte sie es sich wahrhaftig ein Kerl zu sein, doch ließ es sich nicht anmerken, dass es sich seit dem Heimweg anfühlte, als stecke ihr ein Messer im Unterbauch.

“Wenn wir innerhalb der nächsten drei Tage nichts hören, dann müssen wir jedenfalls noch einmal zum Stall, um mehr Gift in das Schweinefutter zu geben.”, sagte die Novigraderin, als sie eine kleine, gläserne Phiole beäugte und deren spärlichen Inhalt daraufhin leerte. Na, war besser als nichts.

“Mehr Gift? Ich hoffe, das wird nicht nötig sein…”, seufzte der Axtkämpfer weiter und schnaufte entnervt, gab ein paar Teeblätter in das heiße Wasser vor sich. Anna nickte zustimmend, verstaute ihr Phiölchen wieder. Und dann schwiegen sie lange. Bis Hjaldrist ihnen beiden dampfenden, schwarzen Tee einschenkte und zu seiner wartenden Kollegin kam, um ihr ihren Becher zu reichen, sagten sie nichts und es war nicht unangenehm. Eine sehr positive Eigenschaft, die ihre Freundschaft aufwies. Man konnte einfach nur zusammen herumlungern und niemand musste sprechen, damit man sich wohl fühlte. Es war unsäglich angenehm.

“Was ist mit deinem Arm?”, hakte Anna dann irgendwann nach und ließ den Blick aufmerksam auf das besagte Gliedmaß ihres besten Freundes fallen. Die Ghule vor Vizima hatten Hjaldrist unlängst verwundet und man hatte ihm den Schnitt am Unterarm dick verbinden müssen. Doch er zuckte nur lethargisch mit den Schultern.

“Alles gut.”, versicherte er, ehe er einen tiefen Schluck von seinem Schwarztee nahm, das Gesicht verzog und nach Honig Ausschau hielt. Zufrieden lächelte die Giftmischerin neben ihm. Und wieder schwiegen sie, während sich Rist daran machte sein warmes Getränk zu süßen und die Frau bei ihm in Gedanken versank. Es gab da was, das sie als Weggefährtin seit neuerdings brennend beschäftigte...

“Weißt du, was ich glaube?”, schnitt Anna an, als sich ihr gähnender Freund wieder neben sie setzte und den heißen Krug Honig mit Tee zwischen den kalten Händen drehte. Fragend blickte Rist auf und die Schwertkämpferin grinste schelmisch, als er die Brauen hob.

“Was denn?”, wollte der Dunkelhaarige wissen.

“Mia steht auf dich.”, murmelte sie Rist so verstohlen, wie direkt zu und bemerkte augenblicklich, wie jener erstarrte. Um sich ein zu breites Schmunzeln zu verkneifen, biss sich die neckische Alchemistin auf die Unterlippe.

“Was…?”, machte er leise und ließ Schultern und Zinnkrug ein Stückchen weit sinken.

“Ist es dir noch nicht aufgefallen?”, sagte Anna frei heraus “Sie kommt andauernd wegen jedem Mist zu dir und hält sich in deiner Nähe, wann es nur geht. Und, bei der Unterbuchse der Melitele, macht die sich immer Sorgen um dich! Du stolperst einmal über ein Zeltabspannungsseil und sie kommt schon mit Bandagen angerannt...”

Hjaldrist schwieg und ließ den ernsten Blick auf seiner Kumpanin ruhen, die ihn erheitert musterte. Das, was sie hier ansprach, schien ihm nicht so ganz zu gefallen. War klar. Er hatte noch nie viel von verliebten Frauen gehalten, die ihm schöne Augen machten und diese ihm eigentlich nicht fremden Wesen bisher zumeist ignoriert. Anna glaubte, dass dies mit seiner Vergangenheit zu tun hatte. Klar. Mit diesem Alrik von Undvik. Vielleicht auch etwas mit Svenja, dieser Verrückten. Und dennoch scherzte die Kurzhaarige hier und da harmlos darüber, dass ihr Kumpel solch ein Mimöschen war, wenn es um die anhängliche und schwärmerische Frauenschaft ging. Denn wenn er wollte, könnte er richtig erfolgreich auf Aufriss gehen. Der gute Hjaldrist hätte doch an jedem Finger ein Mädchen. Und alle von ihnen müssten vermutlich zunächst an Anna vorbei, die sie ganz genau unter Augenschein nehmen würde.

“Ich warte ja nur auf den Tag, an dem Mia mir sagt, dass ich mich von dir fernhalten soll oder so.”, setzte die Hexerstochter kopfwiegend fort, musste in sich hinein schmunzeln “Weiber werden ziemlich schnell eifersüchtig, weißt du. Besonders auf enge Freunde ihrer Objekte der Begierde.”

“Sie steht nicht auf mich.”, wehrte sich Rist kleinlaut ausweichend “Wir haben nur viel gemeinsam.”

Anna runzelte die Stirn und lachte dann nach einer knappen Pause leise.

“Ja, das Träumen und das Elfenblut.”, glaubte sie und ihr konfrontierter Gefährte zog die Brauen kritisch zusammen. Er war etwas nervös, das merkte man. Und gleichzeitig war da ein Deut Unzufriedenheit in seiner Miene, den er nicht verschleiern konnte. Seine simple Antwort auf Anna’s Äußerung war ein Brummen. Und vielleicht war sie froh darüber, dass er ihr nicht widersprach, um weitere Dinge aufzuzählen, die er mit Mia teilte. Seit dem Punkt, an dem die besagte Träumerin Rist gefragt hatte, ob jener denn nicht noch lange mit ihr und dem Wanderzirkus reisen wollte, war Anna nämlich etwas pikiert, wenn es um die Elfe mit den kurzen Haaren ging. Sie hatte keine Lust darauf den besten Freund ausgespannt zu bekommen und nie wieder von ihm zu hören. Das passierte angeblich oft. Ravello hatte davon erzählt, dass sein Kontakt zu einigen alten und guten Freunden abgerissen war, weil sie hübsche Mädchen gefunden oder sogar geheiratet hatten. Ziemlich mies. Als solch ein Fotzenknecht sollte Rist nicht enden. Er war schließlich besser als das. Außerdem waren gute Freunde wichtiger als schmierige Liebschaften, denn im Gegenzug zu jenen blieben sie einem ewig erhalten.

“Was denn? Schau nicht so. Ich finde eben, dass es ziemlich offensichtlich ist. Linda tuschelte deswegen auch schon herum…”, erzählte Anna und ein Funke der Erheiterung lang noch immer auf ihrer Visage “Was denkst du denn, warum dich Mia gefragt hat, ob du beim Zirkus bleiben möchtest?”

Hjaldrist zuckte die Achseln. Die Situation wurde ihm wohl immer unangenehmer, denn er wich dem Blick seiner Kollegin mittlerweile aus, kratzte sich im Nacken. Er holte Luft, als wolle er irgendeinen Protest stottern oder verlegene Erklärungen abliefern, doch er ließ es im Endeffekt, klappte den Mund wieder zu und blieb stumm. Anna beobachtete dies kurz mit gekräuselter Stirn, ehe sie sich gnädiger Weise dazu entschloss das Thema zu wechseln. Eigentlich hätte sie ja gern die aufrichtige Meinung Rists über die Elfe im Bunde gehört, doch es war klar, dass der Mann nicht darüber reden wollte.

“Hm. Sollten wir Flaut eigentlich davon erzählen, dass wir Gift in das Futter der Schweine des Grafen getan haben und der Dickwanst bald sterben wird?”, fragte Anna und wurde wieder etwas ernster, als noch zuvor. Dankbar über die Wärme ihres Bechers, hielt sie ihren Tee in beiden Händen und sah skeptisch zu dem Angesprochenen hin.

“Hmm…”, machte jener und hob den Kopf endlich wieder an “Wäre vielleicht keine schlechte Idee. Wer weiß, wie lange es braucht, bis wir die Sache erledigt haben. Oder eher: Wie lange wir warten müssen, bis das Hungrige Arschloch wieder Lust auf Schwein hat.”

Anna verzog das Gesicht bei der Erinnerung an den fetten Kannibalen leicht angewidert, während ihr Kumpel weiterredete.

“Nicht, dass Flaut Goldlocke noch etwas zuleide tut, weil er denkt, dass wir seine Forderung ignorieren...”, sorgte sich der Krieger.

“Guter Punkt.”, kommentierte die Hexerstochter diese Aussage “Lass uns morgen einfach mal zu den Schwarzen gehen.”

Und damit schwiegen die beiden Abenteurer wieder, sahen vor sich in das Feuer und sagten kein Wort. Die Nacht war ruhig und sehr kühl, der Mond senkte sich langsam wieder gen Erde. Aus der Stadt konnte man weit entferntes Gegröle und Gebrüll von Feiernden und vermutlichen Schlägereien hören. 

Und irgendwann, da zuckte Anna heftig zusammen, sah auf, weil sie eine vorsichtige Hand am Rücken spürte. Ihr war der tönerne Becher beinah aus den kalten Händen gefallen. War sie etwa kurz eingenickt? Verdammt. Blinzelnd linste sie zu Rist hin, der wissend einen Arm um sie gelegt hatte, doch nicht zu Anna blickte. Seine dunklen Augen waren noch immer auf das tanzende Lagerfeuer gerichtet und er blieb still. Ein, zwei Atemzüge lange zögerte die anwesende Frau. Doch dann rückte sie auf dem Strohballen sitzend etwas näher, um sich müde an ihren aufmerksamen Freund zu lehnen. Sie wollte nämlich nicht in ihr klammes Zelt. Hier, am Feuer, war es viel gemütlicher und eher döste sie an Rist gelehnt ein, bevor sie unter ihre kalten Decken schlüpfte und darauf hoffte nicht noch zu erfrieren oder einsam an ihren Bauchschmerzen zu verrecken. So war es immer. Wenn es nachts zu kalt war und man unbedingt Wache halten musste, gingen die Freunde entweder zusammen schlafen oder blieben eine lange Zeit gemeinsam wach. Denn alleine unter die eisigen Decken im Zelt zu schlüpfen war eine Qual, die einen so und so davon abhielt einzuschlummern. Also war es immer so gewesen, dass bei miesem Wetter entweder Ravello aufgepasst hatte oder aber Anna und Hjaldrist zusammen. Nur sehr selten hatte man bloß einen von ihnen allein angetroffen, wenn einem die Kälte ungnädig unter die Kleidung kroch. Anna wusste schon gar nicht mehr, wie es sich anfühlte frierend und allein schlafen zu müssen, obwohl sie dies nach ihrer Flucht aus ihrem viel zu weichen Nest vor wenigen Jahren zu oft getan hatte. Dies gar ohne Zelt, weil sie sich keines leisten hatte können. Komisch, nicht wahr? Dabei hatte sie sich früher immer für eine bedingungslose, harte Einzelgängerin gehalten. Für jemanden, der niemanden anderes brauchte und sich nur dann auf ihre Arbeit konzentrieren konnte, wenn sie allein waltete. Sie hatte sich geirrt, damals. Und sie glaube, dass nichts geschehen könnte, das ihre Ansicht dahingehend je wieder umkehrte.

 

*

 

Hjaldrist schlief in dieser Nacht schlecht. Wie so oft schreckte er schon nach wenigen Stunden hoch, nachdem Anna und er sich kurz vor dem Morgengrauen hingelegt hatten. Ravello hatte die verdammt frühe Lagerwache übernommen und nun wurde es bereits hell draußen. Leise ächzend fuhr sich der Skelliger mit der feuchten Hand über das blasse Gesicht, murrte verhalten. Scheiße, Mann. Er hatte wieder geträumt. Davon, dass seine beste Freundin irgendjemanden kaltherzig erstach und daraufhin von dessen Wachen angegriffen wurde. Die Bilder dazu waren nun nurmehr schleierhaft. Doch da war Haldorn gewesen, Hjaldrists Bruder, zwei eigenartige, ihm unbekannte Hexer aus verschiedenen Schulen und… und was noch? Er hatte keine Ahnung. Alles war so wirr, doch hatte sich bis vor wenigen Sekunden noch so verdammt real angefühlt. Irgendetwas Verheerendes war in diesem Traum geschehen, so schlimm, dass ihm die Kehle noch ganz eng war. Hatten die besagten Wachmänner Anna getötet? Nein. Niemand außer der erdolchte, nun gesichtslose Kerl war gestorben. Und dennoch erinnerte sich der Jarlssohn schemenhaft daran, wie er panisch eine Treppe hinunterlief, den Namen seiner großen Liebe wie eine Beschwörung flüsterte, immer wieder, und dann, irgendwann, geschlagen auf die Knie sank. Es war unglaublich kalt gewesen und es hatte geschneit. Irgendetwas Bedeutendes war geschehen. Es hatte Hjaldrist im Traum unglaublich schwer getroffen, vielleicht sogar gebrochen. Er wusste nicht mehr was es gewesen war. Dennoch tat es ihm auch jetzt, wo er längst erwacht war, weh und stach ihm wie ein kleiner, spitzer Dolch in die Brust. Ganz beiläufig blinzelte sich der Dunkelhaarige das Wasser aus den Augen und stöhnte entnervt, presste sich die Hände an das Gesicht und schüttelte das Haupt langsam, ungläubig. Das Ganze durfte doch nicht wahr sein! Er müsste später mit Mia sprechen. Dringend. Zwar kam er mittlerweile viel besser mit seinen beißenden Albträumen zurecht als früher, trotzdem plagten sie ihn noch. Sie brachten ihn vielleicht kaum mehr dazu schlafzuwandeln oder jede zweite Nacht wie ein Wahnsinniger zu herumzuschreien, aber dennoch. Sie störten ihn immens. Und er wünschte es sich sie ein für alle Mal unter Kontrolle zu bekommen, sich nach dem Aufwachen glasklar an sie und die Menschen in ihnen zu erinnern, sie vielleicht gar lenken zu können, wenn es ihm zuviel wurde. Er wollte endlich zwischen schlimmem Traum und gefährlicher Vision unterscheiden können und momentan erschien dieses Ziel so enorm groß, dass es ihn in Situationen wie dieser hier an den Rand der Verzweiflung brachte. Es frustrierte ihn, verdrängte die tiefe Trauer über die Traumbilder und ließ bloßen Ärger zurück.

Hjaldrist nahm die zittrigen Finger wieder vom Gesicht und versuchte seine dunklen Gedanken hinfort zu schieben. Zumindest für die nächsten paar Stunden, in denen er gedachte noch etwas zu dösen. Der fröstelnde Krieger fasste fahrig nach der kratzigen Baumwolldecke und zog sie enger um sich. Er vernahm keine Sekunde später schon den leisen Protest seiner jüngeren Zeltnachbarin. Anna lag da mit dem Rücken zu ihm hinter ihm und brummte verstimmt, tastete orientierungslos nach der grauen Wolldecke, die man ihr entzogen hatte. Zwar gab es noch zwei Decken mehr und ein dickes, zotteliges Fell, das vor der unguten Kälte schützte, doch zumeist reichte das nicht aus. Erst recht nicht, wenn es um eine Anna im Halbschlaf ging, die fror. Denn in solch einem Fall konnte sie aufwachen und ganz schön unangenehm werden. Also nicht, dass sich Hjaldrist deswegen beschwerte, denn meistens fand er es ganz niedlich, wenn ihn die absolut schlaftrunkene Möchtegern-Hexerin mit vom Schlafen zerwuschelten Haaren und böser Miene anstarrte. Und für gewöhnlich hielt er dann gerne und auch nicht ohne Hintergedanken als Wärmequelle her. Es kam ihm also nur recht, wenn Anna von Gänsehaut geplagt wurde. Asche auf sein Haupt.

Etwas schwerfällig drehte sich Hjaldrist daher um und hatte sogleich die Kapuze aus bläulichem Wollstoff im Gesicht, die sich seine Kollegin beim Schlafen oft über den Kopf zog, um jenen warm zu halten und sich den dicken Stoff bei nervender Helligkeit schon mal bis über die müden Augen nach unten zu ziehen. Zögerlich, vorsichtig, rückte der Undviker näher, schlichtete die dicken Decken über sich und der dösigen Anna kurz. Sein Gesicht grub er dann, als er den Kopf wieder sinken ließ, irgendwo zwischen Schulter und Kapuze seiner Gefährtin, die ihm nach wie vor das Kreuz zugedreht hatte. Viel näher käme er ihr hier unter dem Deckenhaufen gerade nicht mehr. 

Anna roch angenehm; nach… nunja, sich selbst eben. Und nach diesen süßlichen Kräutern, aus denen sie immer Tee für alle kochte. Nach den weißen Blättern, die man darin fand und von denen der Inselbewohner keine Ahnung hatte, zu welchen Blüten sie gehörten. Doch es war wunderbar. Er mochte es. Und es war, als beruhige all das den zuvor noch so von seinen Albträumen Gequälten, als beschwichtige ihn die Nähe zu seinem Schwarm. Irgendwie ziemlich lächerlich, doch er kam so nicht umhin fest zu glauben gleich sogar wieder einschlafen zu können. Und dann legte er einfach so einen Arm um die Giftmischerin. Ein Ding, das sich zwischen ihnen mittlerweile zur Gewöhnlichkeit entwickelt hatte. Früher, da hatte sich Hjaldrist davor gewehrt derjenige zu sein, der hinter der Frau lag, um einander zu wärmen. Die Gründe davon waren nicht zu vielfältig und denkbar gewesen. Daher hatte die burschikose Kriegerin dies stets übernehmen müssen, hatte schnaubend die Bettheizung auf zwei Beinen gemimt. Heute, da war dem aber nicht mehr so. Denn sie beide waren sich nähergekommen, fühlten sich dabei wohl und - bei Hemdall, es erschien irgendwie noch immer so eigenartig - es war in den letzten Wochen vereinzelt dazu gekommen, dass sie völlig ungezwungen miteinander geschlafen hatten. Jedes Mal hatte es sich wie ein kleiner, guter Ausrutscher angefühlt, über den man später nicht mehr sprach. Einer, in dem man sich anderen gegenüber penibel in Heimlichkeit wahrte und gar dem gutmütigen Ravello gegenüber so tat, als sei nichts. Anna war dabei nicht immer betrunken gewesen - zum Glück, denn wenn sie es war, neigte sie dazu recht laut zu werden, was es schwerer machte gewisse Aktivitäten vor anderen geheim zu halten - und dies gab dem über beide Ohren verliebten Hjaldrist das beflügelnde Gefühl in einer verqueren, inoffiziellen und unausgesprochenen Beziehung zu sein. Oder nein, das war vielleicht viel zu großzügig ausgedrückt. Sie beide waren wohl mehr wie… Freunde mit einem gewissen ‘Mehr’. Ziemlich gute Freunde mit Vorzügen, die nicht länger voreinander zurückscheuten. Und es machte Hjaldrist ganz nervös und wirr nur daran zu denken. Gleichzeitig trieb es ihm eine wohlige Wärme in die Brust und machte alles so leicht, brachte ihn zum Lächeln, denn er hegte große Hoffnungen. Natürlich tat er das. Denn er glaubte, dass er auf einem sehr guten Weg war mit Anna ganz beiläufig in eine richtige Beziehung zu rutschen. Dies, ohne den riesigen Schritt wagen zu müssen ihr die Liebe zu gestehen und mit… naja… mit tiefen Gefühlen und alldem, was eben dazugehörte. Der Jarlssohn strengte sich jedenfalls gehörig an und bemühte sich um die verbohrte Novigraderin, gab sich guten Gewissens sanftmütig und zuvorkommend. Es war wie eine Selbstverständlichkeit und was sollte er auch sonst tun? Er liebte sie und das abgöttisch. Noch nie hatte er jemanden wie Anna getroffen; sie war anders, hübsch und hatte Persönlichkeit. Und sie hatte Hjaldrist damit voll eingenommen, in ihren Bann gezogen. Er konnte sich nicht einmal mehr daran erinnern, wann es genau passiert war. Vielleicht, als er sie damals, nachdem er sie für tot gehalten hatte, zum ersten Mal wieder in die Arme geschlossen hatte? Oder früher schon? Es war ja auch einerlei.

 

“Ja, wenn er in den nächsten drei Tagen Schwein isst, stirbt er ziemlich sicher.”, erklärte Hjaldrist, als er später mit Albion, Linda, Frobert und Anna am knisternden Feuer saß, über dem ein Kessel mit dickem, weißen Brei blubberte. Er schnitt sich einen Apfel klein, der als spärliches Frühstück dienen sollte, denn er hatte keinen sonderlich großen Hunger. Er fühlte sich etwas konfus und seit dem Aufstehen und Zurechtmachen hörte er wieder leise Stimmen flüstern, die ihm den Magen ganz flau machten. Er kannte sie, war sie eigentlich schon gewohnt. Und der Mann wusste, dass sie nicht laut ausgesprochen wurden, sondern nur in seinem verdammten Kopf widerhallten. Erschreckend war dies, da er mittlerweile wusste, dass diese Stimmen manchmal heimliche Gedanken anderer Leute waren. Mia hatte ihn gründlich darüber unterrichtet und gemeint, er sei unnatürlich und auf eine magische Weise empathisch. Er könne das hören, das sich Leute in seiner unmittelbaren Nähe dachten, und mit Anstrengung könnte Hjaldrist deren Verhalten auch lenken, wenn er es nur schaffte seine ‘Begabung’ unter Kontrolle zu bringen. Es hätte irgendetwas mit dem Blut seiner Vorfahren, den Elfen, zu tun. Und diese großen Behauptungen deckten sich mit dem, was er in der Vergangenheit miterlebt hatte: Mit den Kinderstimmen, die er vernommen hatte, als er allein gegen den Werwolf Riedbrunes gekämpft hatte. Damit, dass Anna ihn damals im ‘Eisvogel’ Novigrads geküsst hatte, als liebte sie nichts und niemanden so sehr wie ihn. Der aufgescheuchte Skelliger hatte die angstvollen Gedanken der Bauernkinder damals gehört, die sich vor dem Lykanthropen versteckt hatten. Er hatte seine beste Freundin aktiv dazu gebracht ihn an sich zu ziehen und für wenige, verstörende Sekunden so zu tun, als verehre sie ihn. Ja. Ja, das, was Mia ihm gesagt hatte, machte so viel Sinn und gleichzeitig jagte es Hjaldrist eine richtige, befremdliche Angst ein. Er wollte nicht dem lauschen, was die Menschen ringsum dachten und daher redete er gerade selbst, um das Gewisper irgendwie zu überhören.

“Wolfsbann wirkt nur auf Menschen tödlich, meinte Anna. Und sie kennt sich dahingehend ja aus, wie niemand sonst.”, sprach der Axtkämpfer und Linda machte große Augen “Sie hat das Zeug einfach verdünnt und dann über das Schweinefutter geschüttet.”

“Du kennst dich mit Giften aus?”, fragte die langhaarige Schwester Mias das Elend aus Novigrad, das neben Hjaldrist herum lungerte. Es ging Anna nicht sonderlich gut, das merkte man ihr an, wenn man sie besser kannte. Ihr Ausdruck war etwas verzwickt und vorhin hatte sie ihren Gefährten von Undvik recht patzig angemeckert. Er nahm es ihr nicht übel, denn er wusste über ihr Leiden Bescheid.

“Mh, ja. Ein bisschen.”, log die unbeteiligte Frau in der gestreiften Jacke wortkarg und rührte dabei lustlos in einer kleinen Schüssel Brei herum. Sie hatte kaum die Hälfte davon gegessen.

“Das wusste ich nicht.”, gab Linda offen zu “Warum kannst du solche Dinge mischen?”

“Weil sie eine Hexerin ist. Sieht man doch.”, grinste Albion stolz und schenkte Anna dabei einen Blick und ein Zwinkern, die Hjaldrist nicht gefallen mochten. Einmal wieder agierte der Halbelf des Zirkusses viel zu schmeichelhaft. Die anwesende, kratzbürstige Novigraderin ging zwar nie darauf ein, wenn der Feuerkünstler dies tat, aber trotzdem störte es den Skelliger, der seinen leichten Ärger darüber hinunterschluckte.

“Hexer haben gelbe Katzenaugen. Anna hat die nicht.”, warf Frobert klugscheißerisch ein und man sah, wie die Alchemistin mit ihren braunen Augen, die tatsächlich keine geschlitzten Pupillen aufwiesen, rollte. Sie enthielt sich jedoch und aß stumm ihr lauwarmes Frühstück. Hjaldrist warf ihr einen mitleidigen Blick zu, den sie keineswegs beachtete.

‘Irgendwann bin ich eine.’, glaubte der Mann aus dem Westen weit entfernt zu hören und hielt augenblicklich inne ‘Hört auf mich zu nerven, ihr Idioten...’

Hjaldrist verengte den Blick forschend, riss ihn dann aber sofort von der grummeligen Anna los und schluckte trocken. Er räusperte sich, war plötzlich ein wenig durch den Wind und unruhig. Oh, wie er es hasste!

“Also, ähm.”, machte er verplant und unterbrach Frobert und Albion dabei sich darüber zu streiten, ob Anna nun eine Mutantin sei oder nicht.

“Aber sie hat ein Hexermedaillon.”, schnaufte der Halbelf mit den halblangen braunen Haaren und verschränkte die Arme vor der Brust.

“Was haltet ihr von Eintopf? Anna und ich wollten später so und so in die Stadt und wir besorgen die übrigen Zutaten dafür.”, plapperte Hjaldrist dazwischen und die beiden Diskutierenden horchten auf. Der Jarlssohn hatte nun schon sehr oft für seine Begleiter gekocht und jeder von ihnen schwärmte ausnahmslos von dem Essen, das er regelmäßig zusammen panschte. Hjaldrist selbst fand ja, dass er nicht besser kochte als andere, die wussten, wie man Öl erhitzte oder Suppe umrührte. Aber sei’s drum. Nun hatte er das Gehör derer, die arme Anna bis dato genervt hatten und auch noch eine Ausrede, um bald mit ihr zu verschwinden, damit sie sich keine blöden Fragen anhören müsste. Ja, er war wahrlich ein guter Freund. Und das bewusst hingebungsvoll, wenn er wusste, dass sie als Frau einmal wieder stumm vor sich hin siechte. So war er damals zu seinen Schwestern auch immer gewesen. Wo Haldorn ein grobschlächtiger, grober Narr war, war er eben derjenige, der sich schnell einfühlte und Mädchen mit Süßigkeiten besänftigte. Hm. Wie es Merle und Pavetta heute wohl ging…? Er vermisste sie.

“Eintopf klingt klasse!”, freute sich Frobert, der genauso gerne aß, wie die Hexerstochter mit der finsteren Miene. Er klatschte freudig in die Hände, die vom vielen Jonglieren ganz schwielig waren.

“Au ja!”, lächelte Linda froh und erschien erleichtert, da sie heute einmal nicht kochen müsste. Sonst übernahm sie dies nämlich.

“Schön.”, lächelte Hjaldrist erleichtert und warf sein Apfelkerngehäuse in das Lagerfeuer zu seinen Stiefelspitzen. Ein fragender Seitenblick gen Anna folgte, die längst nichts mehr von ihrem Haferbrei aß, sondern nur vor sich hin grübelte.

“Anna? Kommst du mit einkaufen und zu Flaut?”, wollte er gutmütig wissen. Sie sah auf, nickte gleich. Die beiden Abenteurer würden sich also gleich fertigmachen, um den Schwarzen einen Besuch abzustatten und am Markt Vizimas etwas Gemüse und Fleisch für das angekündigte Mittagessen zu kaufen. Hjaldrist war schon gespannt auf das Gespräch mit diesem Mickael Flaut. Und er hoffte auch irgendwo darauf, dass man mit Goldlocke sprechen könnte. Wer wusste schon, wie es der ging? Hoffentlich gut...

 

Und tatsächlich erging es Goldlocke bestens. Hjaldrist traute seinen geweiteten Augen kaum, als man sie in das kleine Schreibzimmer Flauts ließ und sie alles andere als eingeschüchtert wirkte. Sie lächelte sanftmütig und war so munter, wie eh und je. Anna warf ihrem Kumpel einen bedeutsamen Seitenblick zu, ehe die vermeintliche Geisel der Nilfgaarder sprach. Flaut hielt sich solange stumm im Hintergrund. Er saß an seinem massiven Holztisch und beobachtete das Geschehen mit strenger, abwartender Miene. Zwei Wachleute standen links und rechts des Zimmerausganges und rührten sich kein Stück weit. Sie muteten an wie Statuen aus schwarz-goldenem Stahl. Mit Langschwertern, Schilden und Flügelhelmen.

“Oh!”, machte die überraschte Goldlocke, als sie ihre beiden Begleiter erblickte und fing damit an über das ganze Gesicht zu strahlen.

“Anna, Hjaldrist!”, freute sich die Blonde ehrlich “Es ist so schön euch zu sehen!”

Mit diesen Worten kam sie auf die Besagten zu und umarmte sie eng. Zuerst drückte sie den Skelliger in der Runde, dann die entrückte Alchemistin. Beide starrten die Gefangene zusehends verwirrt an.

“Goldlocke? Dir geht es gut?”, entkam es Hjaldrist absolut verblüfft und die Frau nickte schnell. Etwas verlegen strich sie sich eine ihrer honigfarbenen Locken hinter das Ohr und musste leise lachen. Es war kühl hier drin. Und es roch nach Waffenöl und Kerzenwachs.

“Man ist hier ganz nett zu mir. Und, ach herrje, manchmal vergesse ich ja fast, dass man mich festhält.”, gab sie zu. Anna stutzte merklich.

“Ist das ein blöder Scherz?”, wollte die Giftmischerin schnippisch wissen und Flaut räusperte sich pikiert. Sie ignorierte ihn.

“Was? Nein… man behandelt mich wirklich gut.”, versicherte Goldlocke und sah aus halb niedergeschlagenen Lidern auf, räusperte sich “Und ich... habe jemanden kennengelernt…”

“Nicht im Ernst!”, keuchte Anna. Hjaldrist schaffte es derweil nicht irgendetwas zu sagen und aus den Augenwinkeln linste er prüfend zu Flaut, der da noch immer an seinem geschnitzten Schreibtisch saß. Der Nilfgaarder rieb sich die Schläfe, schloss die Augen und unterdrückte ein Stöhnen.

‘Dieses Mädchen raubt mir noch den letzten Nerv.’, drang ein Wispern in das Ohr des dunkelhaarigen Undvikers und er erstarrte kurz ‘Am liebsten wäre es mir ja, sie würden sie sofort wieder mitnehmen...’

‘Was für eine Närrin!’, war das Anna’s Gedanke?

‘Lässt die sich jetzt von nem Schwarzen bumsen, oder wie?’, ja, es war Anna’s Gedanke.

Hjaldrist atmete kontrolliert durch und senkte den Blick, fuhr sich über das unrasierte Kinn. Er kniff ein Auge leicht zu, als er ein unangenehmes Ziehen im Scheites spürte, doch versuchte es sich dies nicht weiter anmerken zu lassen.

‘Doch dann würde ich wohl wenig autoritär wirken. Also bleibt das Mädchen hier.’

Goldlocke lächelte verlegen und sah zwischen ihren Begleitern hin und her. Bei der großen Weltenschlange…was passierte hier?

“Habt ihr… habt ihr den Grafen denn getötet? Herr Flaut erzählte mir, dass er Menschen isst. Das ist wirklich abscheulich.”, seufzte die Blondine in dem bunten Kleid wehleidig und verzog das Gesicht leicht.

“Nein… noch nicht…”, antwortete Anna, die die zweite, ihr so unähnliche Frau nach wie vor kritisch ansah “Aber wir sind dabei. Mehr noch: Wir haben sein Essen heute Nacht vergiftet und mit Glück isst er demnächst davon, der Hurensohn.”

“Ihr wollt ihn vergiften?”, mischte sich Flaut mit der Hakennase endlich ein und riss damit die ungeteilte Aufmerksamkeit an sich “Interessant.”

“Ja. Wir wollten es eigentlich nicht tun, doch nachdem wir gesehen haben, was dieser Bastard anstellt, haben wir uns dafür entschlossen ihn doch zu töten.”, meinte Anna unglaublich kühl. Hjaldrist runzelte die Stirn.

“Ihr hättet uns Goldlocke doch eigentlich so und so wieder zurückgegeben, nicht wahr?”, brach es jetzt aus dem Undviker heraus, der einige Momente gebraucht hatte, um sich wieder zu fangen und die Stimmen in seinem Kopf auszublenden. Und das, was er hier gerade sagte, waren die wahrhaftigen Gedanken Flauts. Der Nilfgaarder mit der markanten Nase konnte sie nicht leugnen. Ernst lenkte der Schwarze die dunklen Augen auf den Mann, der ihn ertappt hatte, und sprach kein Wort. Er taxierte den wissenden Hjaldrist auf eine höchst unangenehme Art und Weise. Dann holte er Luft zum Sprechen. Ohne auf die vorige Frage des Jüngeren einzugehen, lenkte er das Thema um.

“Ihr habt das Essen des Grafen also vergiftet. Welches? Die Leute seines Dorfes?”, hakte der Soldat zynisch nach und lächelte schmal. Eine Anspielung auf den widerwärtigen Kannibalismus.

“Nein, die Schweine.”, stellte Anna sofort klar “Sie sind das einzige, das er daneben noch isst. Er hat es uns erzählt.”

“Warum sollte er das tun?”, fragte Flaut berechtigterweise.

“Er… hat uns zum Essen eingeladen und dabei darüber geplappert. Außerdem war da ein Spanferkel am Tisch.”

“So, so… ihr habt also Menschenfleisch gegessen…”

“Nein. Wir haben nichts angerührt. Wir sind doch nicht dumm.”

Flaut hob die buschigen Brauen an und ein Anflug eines Schmunzelns zog an seinen Lippen.

“Wie kamt ihr an das Schweinefleisch, um es zu vergiften? Hatte der Graf denn nicht Söldner um sich?”

“Über Umwege.”, meinte Anna nichtssagend und ein wenig gereizt. Die Fragerei Flauts mochte ihr wohl nicht gefallen. Also sprach Hjaldrist weiter, obwohl man bemerken konnte, dass Hakennase die Ruppigkeit der Novigraderin mochte.

“Vertraut uns einfach…”, bat er den nilfgaarder Kommandanten “Wir geben dem Grafen höchstens eine Woche, dann reißt er die Hufe hoch.”

“Wir werden sehen.”, meinte Flaut wenig optimistisch und lehnte sich mit berechnendem Blick in seinem Sessel zurück “Und jetzt geht bitte. Gregoir, bringt das Mädchen zurück auf ihr Zimmer. Ivun, begleite unsere Gäste wieder hinaus.”

Eine der Wachen neben der Türe setzte sich daraufhin in Bewegung, um zu Goldlocke zu kommen. Der naive Blondschopf lächelte bloß, wehrte sich nicht und nickte ihren Begleitern noch zum Gruß zu. Der zweite Soldat mit dem Helm am Kopf salutierte, trat rüstungsscheppernd vor Anna und Hjaldrist.

“Bis bald.”, verabschiedete sich die blonde Zirkuskünstlerin im kahlen Zimmer beschwingt, als freue sie sich darauf in ihr Gefängnis zurückzukehren. Die Hexerstochter in der rot-schwarzen Jacke schüttelte den Kopf verständnislos und ihr bester Freund konnte nicht anders, als es ihr gleichzutun. Goldlocke hatte sich hier drin also verliebt? So schnell? In wen? In einen der Krieger der Armee? Womöglich wollte sie daher gar nicht erst ‘gerettet’ werden. Hjaldrist fühlte sich ja schon ziemlich veralbert, zugegeben.

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